„Über die Korruption der Kirchenhierarchie Zeugnis abzulegen, war eine schmerzhafte Entscheidung für mich, […] aber ich bin ein alter Mann, jemand, der weiß, dass er sich bald vor dem Richter für seine Taten und Unterlassungen rechtfertigen muss.“
Bewegende Worte leiteten das dritte Zeugnis Erzbischof Viganòs ein, das auf den 19. Oktober datiert ist.
In ihm wirft Viganò wiederholt Papst Franziskus Fahrlässigkeit in der Amtsausübung in seinem wichtigsten Amt vor, die Brüder im Glauben und in der moralischen Lehre zu bestätigen. „Wenn er dann die Krise durch widersprüchliche oder verwirrende Aussagen über die [Kirchen-]Lehre macht, dann verschlimmert er die Verwirrung.“
„Darum habe ich mich zu Wort gemeldet. Eine Verschwörung des Schweigens schaffte und schafft immer noch großes Leid in der Kirche – Schaden an so vielen unschuldigen Seelen, an jungen Priesterberufungen, und den Gläubigen als Ganze.“
In mehr als acht Punkten geht Viganò auf Kardinal Ouellets veröffentlichten Brief ein, der die Anschuldigungen gegen Franziskus zurückwies und Tatsachen, die von Viganò bereits aufgedeckt wurden, in ein anderes Licht stellen wollte.
Viganò bestätigte beispielsweise die Existenz von Briefen von Papst Benedikt, die McCarrick mit Sanktionen belegten. Ouellet leugnete dies.
„Kurzum, Kardinal Ouellet stimmt in wichtigen Anschuldigungen [von mir] mit dem von mir gesagten überein und widerlegt Behauptungen, die ich nicht mache und nie gemacht habe.“
„In einem Punkt muss ich absolut von mir weisen, was Kardinal Ouellet schrieb. Der Kardinal bestätigte, dass der Heilige Stuhl nur von ‚Gerüchten‘ wusste, was nicht Grund genug sei, um Disziplinarmaßnahmen gegen McCarrick zu rechtfertigen. Ich versichere hingegen, dass der Heilige Stuhl von konkreten Tatsachen wusste und im Besitz der dokumentarischen Beweisen ist, und dass die verantwortlichen Personen sich dennoch entschieden haben, zu intervenieren oder verhindert wurden.“
Er fügte hinzu: „Die berichteten Straftaten waren sehr erst, und beinhalteten einige, Komplizen von perversen Akten sakramentalen Ablass zu geben […].“
„Diese Dokumente haben detaillierte Informationen über die Identität der Schuldigen und ihrer Schützer und eine chronologische Abfolge der Tatsachen. Sie werden in den angemessenen Archiven aufbewahrt; keine außerordentliche Nachforschung ist notwendig, um sie ausfindig zu machen.“
Das Zeugnis schließt mit einem Aufruf an seine Brüder im Bischofsamt: „Sie können auch das Wort ergreifen. Sie können sich auf denjenigen verlassen, der uns versprach: ‚Die Wahrheit wird euch frei machen‘. Ich sage damit nicht, es wird einfach sein, zwischen Schweigen und Sprechen zu entscheiden. Ich dränge euch nur zur Überlegung – auf Eurem Totenbett, und dann vor Eurem letzten Richter – welche Entscheidung ihr nicht bereut gemacht zu haben.
(jb)


Add new comment