Ägyptens Lebensader ist seit Jahrtausenden der Nil. Er versorgt das Land mit Trinkwasser, mit Wasser für die Landwirtschaft und ist die wichtigste Transportroute.
99 Prozent der fast 100 Millionen Ägypter wohnen entweder direkt am Nil (Kairo, Luxor, Assuan, Minia), im Nil-Delta an der Küste (Alexandria) oder am Suez-Kanal (Port Said, Suez).
95 Prozent des Landes sind unbewohnbare Wüste. Wenn der Nil ausbleibt, gibt es kein Ägypten.
Der Bau des Assuanstaudamms hatte zwar zur Folge, dass die jährliche Nilflut mit ihrem fruchtbaren Nilschlamm ausbleibt. Aber er stellte die Wasserversorgung auch in Jahren mit niedriger Nil-Schwemme sicher. Außerdem machte die kontrollierte Regulierung des Wasserstandes erst den Aufbau einer modernen Infrastruktur möglich.
Andere Staaten wie der Sudan und Äthiopien wollen ebenfalls Dämme nach dem Vorbild des Assuanstaudammes errichten. In Äthiopien wird gerade ein riesiger Damm gebaut, der »Grand Ethiopian Renaissance Dam«. Er soll die Regenfluten des Landes aufsammeln, die sich saisonal in den Blauen Nil ergießen. Der Blaue Nil aus Äthipien ist neben dem Weißen Nil aus dem Viktoria See die wichtigste Wasserquelle des vereinten Nils. Der Weiße Nil und der Blaue Nil vereinen sich bei Sudans Hauptstadt Khartoum.
Ägypten fürchtet nun die sichere Wasserversorgung. Wenn Äthiopien und der Sudan zu viel Wasser zurückhalten, dann könnte die Wasserknappheit in Ägypten für katastrophale Zustände sorgen. Niedrige Nilstände könnten die Landwirtschaft erschweren und die Wasserversorgung der 100 Millionen Ägypter verknappen.
Daher fordert Ägypten Garantien, dass eine bestimme Menge an Wasser weitergeleitet wird. Doch die äthiopische Regierung will solche Garantien nicht ausstellen, weil Äthiopien selbst oft von Dürreperioden geplagt wurde und selbst eine wachsende Bevölkerung von rund 110 Millionen Einwohnern zu versorgen hat, von denen viele von der Subsistenzwirtschaft auf dem Lande abhängig sind.
Damit ist der Konflikt vorprogrammiert. Nur ein Abkommen zwischen beiden Ländern kann helfen. Doch die Bemühungen darum geraten immer wieder ins Stocken.


Add new comment