Vom 10. bis zum 13 Jahrhundert war das Klima bei uns warm

Im warmen mittelalterlichen Klima-Optimum blühte Europa auf

Im hohen Mittelalter erlebte Europa eine bemerkenswerte Phase milder Temperaturen, die als Mittelalterliches Klimaoptimum bekannt wurde. Das Klimaoptimum fällt in die Zeit der großen gotischen Kathedralen.

Zwischen etwa 900 und 1300 n. Chr. erlebte Europa, eine bemerkenswerte Phase milder Temperaturen, die als Mittelalterliches Klimaoptimum bekannt wurde.

Diese Periode, auch »Mittelalterliche Warmzeit« genannt, prägte das Leben in Europa nachhaltig. Von der blühenden Landwirtschaft bis zur kulturellen Blüte, die sich im Wachstum der Städte, im Bau der Kathedralen und Burgen sowie im Fortschritt des Handels ausdrückte. Europa trat aus der kulturell dunklen Epoche des Frühmittelalters in die Phase des prächtigen Hochmittelalters ein.

Doch wie warm war es tatsächlich, was wurde angebaut, und welche weitreichenden Auswirkungen hatte diese Klimaphase?

Eine milde Epoche: Wie warm war das Klima?

Während des Mittelalterlichen Klimaoptimums lagen die Temperaturen in Europa regional unterschiedlich, aber durchschnittlich etwa 1 bis 1,5 Grad Celsius höher als im Mittel des 20. Jahrhunderts. In manchen Regionen, wie England, Südeuropa oder dem Nordatlantikraum, wurden sogar Spitzenwerte von bis zu 2 Grad über dem langfristigen Durchschnitt (1000–1800 n. Chr.) verzeichnet.

Die Ursachen dieser Warmzeit sind sicherlich vielfältig. Eine erhöhte Sonneneinstrahlung, geringe vulkanische Aktivität und veränderte ozeanische Zirkulationen, wie eine verstärkte meridionale Umwälzzirkulation im Nordatlantik, könnten zur Erwärmung beigetragen haben.

Zudem trugen großflächige Waldrodungen in Europa zu einer erhöhten CO2-Konzentration (!) und verringerten Evapotranspiration bei, was die Temperaturen lokal steigerte.

Landwirtschaftlicher Aufschwung: Was wurde angebaut?

Die milden Temperaturen und verlängerten Vegetationsperioden des Klimaoptimums revolutionierten die Landwirtschaft in Europa.

In Nordwesteuropa ermöglichten feuchte, warme Sommer den landwirtschaftlichen Anbau in höheren Lagen und nördlicheren Regionen.

Besonders bemerkenswert war der Weinanbau, der in Gebieten florierte, die heute dafür ungeeignet sind. In England und Schottland wuchsen Weinreben, während in Deutschland sogar Feigen- und Olivenbäume gediehen.

In Island war Getreideanbau möglich. Und Grönland war im Süden damals teilweise eisfrei. Grönland (Greenland, Grünland) erhielt seinen Namen aufgrund grüner Wiesen. Das nutzten die Wikinger zur Besiedlung der Region.

In Europa steigerten neue landwirtschaftliche Techniken, wie der Streichblechpflug und die dreijährige Fruchtfolge, die Produktivität. Im ersten Jahr wurde Getreide gepflanzt, im zweiten Hafer und Hülsenfrüchte, die Stickstoff im Boden banden, und im dritten Jahr lag das Feld brach. Diese Methode, kombiniert mit den günstigen klimatischen Bedingungen, führte zu reicheren Ernten und ermöglichte eine Ernährungssicherheit, die zuvor selten war.

Gesellschaftliche und kulturelle Blüte: Gotik, Kathedralen, Burgen

Die verbesserten Ernteerträge und die milden Bedingungen trugen zu einer regelrechten Bevölkerungs-Explosion bei. In Europa wuchs die Bevölkerung rasant. Viele neue Städte entstanden. Die Gotik spiegelte mit ihren prächtigen Kathedralen das optimistische Lebensgefühl wider.

Allerdings war das Klimaoptimum kein global einheitliches Phänomen. Es gab Regionen außerhalb Europas, die von negativen Auswirkungen betroffen waren.

Das Ende der Warmzeit und ihre Bedeutung

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, etwa zwischen 1200 und 1400, verschlechterte sich das Klima in Europa rapide. Die Übergangszeit zur sogenannten Kleinen Eiszeit war von kälteren Wintern, heftigen Regenfällen und Missernten geprägt, die Hungersnöte wie die von 1315 bis 1321 auslösten. Schließlich kam die sogenannte Kleine Eiszeit, die in Mitteleuropa und Nordeuropa besonders im 15., 16. und 17 Jahrhundert zu spüren war. Flüsse waren nun im Winter zugefroren und sogar die Ostsee konnte von Schweden nach Dänemark im Winter zu Fuß überquert werden. In diese Epoche fiel auch der Dreißigjährige Krieg.

Sven von Storch

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