Die Spannungen in Westafrika nehmen zu. Nach dem Militär-Putsch gegen die EU-freundliche Regierung im Niger haben Frankreich und Deutschland ihre Entwicklungshilfe für das Land beendet.
Das neue Regime im Niger hat den Export von Gold und Uran in die EU gestoppt. Insbesondere Frankreich benötigt aber das Uran für seine Kernkraftwerke. Niger deckt etwas ein Drittel des französischen Uran-Bedarfs. Frankreichs Wirtschaft ist stark vom Atomstrom abhängig. Auch Deutschland braucht Atomstrom aus Frankreich.
Was das Gold angeht, so wurden im Niger viele neue Goldvorkommen entdeckt. Rund 800.000 Menschen leben im Niger vom Goldabbau.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat erklärt, dass sein Land im Notfall eingreifen werde, wenn französische Bürger oder Interessen gefährdet seien.
Auch die US-Regierung hat den Putsch scharf verurteilt und sich hinter die alte gestürzte Regierung gestellt. Dies hatte US-Außenminister Antony Blinken im Fernsehen verkündet. Die USA haben mit erheblichen Mitteln bei Agadez in Zentral-Niger einen Luftwaffenstützpunkt errichtet. Der soll die in der Nähe gelegenen Uran-Minen schützen, wo die französische Firma Orano Uran abbaut.
Die Regierungen von Mali und Burkina Faso haben erklärt, Niger militärisch zur Seite zu stehen, falls das Land angegriffen werde. Nach den Staatsstreichen dort haben beide Länder die Militär-Kooperation mit Frankreich 2022 und 2023 aufgekündigt. Frankreich musste dort die militärische Präsenz beenden.
Stattdessen sind dort Wagner-Truppen engagiert. Auch im Niger und in Guinea sind Wagner-Truppen aus Russland aktiv. Guinea wäre ebenfalls im Ernstfall auf der Seite des Niger.
Bei den Demonstrationen und Unruhen im Niger schrien die Putschisten anti-französische Flüche und riefen immer wieder »Russland, Russland!«. [Auf dem obigen Screenshot-Foto sehen Sie neben den nigrischen Flaggen auch eine Fahne Russlands mit den Lettern RU!]
Auch chinesische Interessen sind betroffen. China fördert im Osten des Niger Erdöl. Dort ist der chinesische Staatskonzern CNPC (China National Petroleum Corporation) aktiv. China baut eine Pipeline, um das Erdöl durch den Niger und Benin an die Küste zu befördern.
Demgegenüber stehen die noch verbliebenen Mitglieder der ECOWAS-Staaten: Nigeria, Togo, Benin, Ghana, Elfenbeinküste, Liberia, Senegal und Guinea-Bissau. Diese Staaten sind eng mit Frankreich, der EU und den USA verbunden.
In Westafrika könnte sich also ein großer Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der EU gegen Russland und China anbahnen. Der Putsch im Niger könnte zu einem Flächenbrand werden.
Das würde dann neue Flüchtlingswellen nach Europa auslösen. Dies könnte insbesondere für Deutschland und Frankreich erhebliche Migrationswellen verursachen.
Niger ist das Land mit der höchsten Geburtenrate der Welt (7 Kinder pro Frau). Und es hat das jüngste Durchschnittsalter der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre alt. Viele junge Männer haben keine beruflichen Perspektiven.
Die alte, nun gestürzte, Regierung des Niger hatte Vereinbarungen mit der EU getroffen, die Migration nach Europa, die durch Routen des Niger führt, einzudämmen. Dafür hatte der Niger viel Geld von der EU erhalten. Das neue Regime könnte die Routen wieder öffnen.


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