Chinas strategische Zurückhaltung, die Vorbereitung auf Lieferengpässe & die Bedeutung der Straße von Malakka

Chinas Plan, Trump zu ignorieren

Die angekündigte Blockade der Straße von Hormus durch das US-Zentralkommando steht im Zentrum widersprüchlicher Berichte.

Trump und Xi Jinping
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Während offizielle Stellen erklären, die Meerenge sei gesperrt, zeigen unabhängige Navigationsdaten und westliche Medien wie das Wall Street Journal, dass in den ersten 24 Stunden mindestens 20 Handelsschiffe die Passage durchquert haben. Darunter befanden sich mehrere Tanker mit iranischem Öl, das Kurs auf China nahm. Vier Schiffe sollen die angebliche Blockade sogar direkt umgangen haben.

Es handelt sich hier offenbar weniger um eine vollständige militärische Abriegelung als um einen Kampf um die Deutungshoheit. Die Ankündigung diente vor allem dazu, während laufender Verhandlungen Stärke zu demonstrieren. Nach Angriffen des Iran auf Ziele im Nahen Osten, die die USA nicht wirksam verteidigen konnten, wirkte die amerikanische Position geschwächt. Die öffentliche Darstellung sollte dieses Bild korrigieren. In der Realität bleibt der Öltransport über die Straße von Hormus weiter möglich, was auch die Stabilität der Börsen zu Beginn der Woche erklärt.

Fortlaufende Verhandlungen trotz öffentlicher Konfrontation

Hinter den Kulissen setzen sich die Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran fort. Vermittler aus Ägypten, der Türkei und Pakistan sind aktiv beteiligt. Vertreter der Verhandlungsteams verbleiben in Islamabad, und der ägyptische Außenminister hat oder plant eine Reise nach Washington. Eine weitere Gesprächsrunde zeichnet sich in den kommenden Stunden oder Tagen ab.

Der Schwerpunkt der Verhandlungen hat sich deutlich verschoben. Von einem Regimewechsel oder einem vollständigen Stopp der iranischen Ölexporte ist keine Rede mehr. Stattdessen konzentrieren sich alle Beteiligten auf die Dauer einer Pause in der iranischen Atomindustrie. Teheran zeigt sich bereit zu einer fünfjährigen Unterbrechung, Washington fordert zwanzig Jahre. Dennoch wird bereits über konkrete Zahlen gesprochen, was auf eine grundsätzliche Einigung hindeutet.
Zusätzlich besteht Übereinstimmung darüber, die Bestände an angereichertem Uran im Iran zu reduzieren – eine Forderung, die Teheran seit Monaten akzeptiert. Streitpunkt bleibt lediglich die Übergabe dieser Bestände an die USA. Eine solche Übergabe lehnen die iranischen Verantwortlichen ab, zumal das Pentagon in der Vergangenheit versucht haben soll, Uran in einer Bodenoperation zu erbeuten. Israel beobachtet die Verhandlungen genau und beeinflusst sie indirekt. Netanyahu wurde von amerikanischer Seite kontaktiert, um die Position zu den Uranbeständen zu vermitteln, da Israel eine vollständige Einstellung der iranischen Uranindustrie anstrebt.

Chinas strategische Zurückhaltung und die Vorbereitung auf Lieferengpässe

China als Hauptabnehmer iranischen Öls spielt in diesem Konflikt eine zurückhaltende, aber entscheidende Rolle. Gerüchte über eine direkte Unterstützung Teherans durch Spionagesatelliten oder ein gemeinsames Verteidigungsabkommen zirkulieren, doch eine militärische Intervention Chinas mit eigenen Truppen gilt als unwahrscheinlich. Stattdessen nutzt Peking die Situation, um indirekt Druck auszuüben.

Ein Großteil des iranischen Öls befindet sich derzeit auf See und ist für China bestimmt. Die von Teheran kontrollierte Insel Hask im Golf von Oman liegt außerhalb der Hormus-Straße. Dort führt eine vor fünf Jahren errichtete Pipeline mit einer Kapazität von einer Million Barrel pro Tag. Obwohl die Ladekapazität der Terminals derzeit bei etwa 300.000 Barrel liegt, ermöglicht diese Route den Transport ohne Durchquerung der überwachten Meerenge. Die Tanker fahren direkt ins Arabische Meer und weiter nach China.

Darüber hinaus hat China in den vergangenen Jahren massive strategische Erdölreserven aufgebaut – Schätzungen sprechen von rund einer Milliarde Barrel. Selbst ein zweimonatiger Ausfall iranischer Lieferungen würde diese Reserven nur zu etwa zehn Prozent beanspruchen. Peking kann die Situation daher gelassen abwarten. Eine Blockade der Hormus-Straße würde vor allem die asiatischen Verbündeten des Westens wie Japan, Südkorea und Taiwan treffen, während China auf seine Vorräte und alternative Routen zurückgreifen kann. Der anstehende Gipfel im Mai könnte genutzt werden, um diese Stärke gegenüber den USA klar zu signalisieren.

Die Straße von Malakka als eigentliche strategische Achse

Während die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Straße von Hormus gerichtet bleibt, liegt Chinas entscheidender strategischer Nerv in der Straße von Malakka. Über diese Passage laufen mehr als 80 Prozent der chinesischen Ölimporte und rund 40 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases. Für die chinesische Führung ist Malakka ungleich wichtiger als Hormus.
Indonesien, das diese Meerenge kontrolliert, steht im Fokus eines stillen geopolitischen Ringens. Das Pentagon hat kürzlich ein Militärabkommen mit Jakarta geschlossen, das den Einsatz von über 17.000 Soldaten unter dem Deckmantel von Manövern sowie operative Zusammenarbeit vorsieht. Indonesien führt gleichzeitig Gespräche mit Russland und China und beharrt auf einer Politik der Blockfreiheit. Das indonesische Parlament lehnt ausländische Einmischung ab.

Hier zeigt sich ein weiterer Informationskrieg. Durchgesickerte Informationen sollen verhindern, dass Indonesien zu eng mit Peking kooperiert. Die Verlagerung der globalen wirtschaftlichen Macht in den Indo-Pazifik macht diese Region zum zentralen Schauplatz. Rund 40 Prozent des Welthandels passieren Malakka. China muss seine Kontrolle über diese Route sichern, um die eigenen Lieferketten langfristig zu schützen. Akteure wie Indien, Thailand und Indonesien versuchen, das Gleichgewicht zu wahren und einer einseitigen Dominanz entgegenzuwirken.

Die Entwicklungen im Iran, die strategische Ruhe Chinas, die Bedeutung der Straße von Malakka und der Druck der EU auf Ungarn offenbaren ein Muster komplexer Machtverschiebungen.

Öffentliche Konfrontationen und hintergründige Verhandlungen laufen parallel. Die wahren Entscheidungen fallen oft abseits der lauten Schlagzeilen und werden die kommenden Jahre maßgeblich prägen.

Sven von Storch

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Comments

"Chinas Plan, Trump zu ignorieren"

Damit tut China nur gut daran. Einen offenbar durchgeknallten US-Präsidenten, der nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein scheint und alleinige, völlig unkluge, dumme Entscheidungen trifft, die den USA selbst mehr Schaden zufügen - auch was deren Ansehen betrifft - als Vorteile bringen, sollte man einfach ignorieren und eigene, kluge und vernünftige Entscheidungen treffen.

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