Anspannung im Pazifik: Japan und USA sehen das als Provokation

China und Russland planen gemeinsame Flotten-Patrouillien im Pazifik

China und Russland wollen mit gemeinsamen Flottenverbänden im indo-pazifischen Raum patrouillieren.

Anspannung im Pazifik: Japan und USA sehen das als Provokation

Die zunehmende militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und China im asiatisch-pazifischen Raum stellt eine wachsende Provokation für die sogenannte Pax Americana dar – die von den USA dominierte Sicherheitsordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg die geopolitische Stabilität im Pazifik und im Indischen Ozean prägt. Gemeinsame Marinemanöver und Patrouillen, wie sie kürzlich im Japanischen Meer stattfanden, signalisieren nicht nur eine engere strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Peking, sondern auch eine gezielte Herausforderung der westlichen Vorherrschaft. Gleichzeitig bleiben die politischen Spannungen zwischen den westlichen Staaten und den BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) auf einem hohen Niveau, was die globale Sicherheitslage weiter kompliziert. Deutschland, als zentrale europäische Macht, steht vor der Herausforderung, durch verstärkte Diplomatie einen Ausgleich zwischen Ost und West zu schaffen, um eine Eskalation zu verhindern.

Gemeinsame Manöver als Machtdemonstration

Russland und China haben ihre militärische Zusammenarbeit in den letzten Jahren signifikant intensiviert. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die russische Pazifikflotte berichtet, planen beide Länder nach erfolgreichen Übungen im Japanischen Meer nun gemeinsame Patrouillen im asiatisch-pazifischen Raum [siehe Bericht »n-tv«]. Diese Manöver, die vom 1. bis 5. August 2025 stattfanden, umfassten Übungen wie Artilleriebeschuss, U-Boot-Abwehr und Luftabwehr sowie gemeinsame Such- und Rettungsaktionen. Das chinesische Verteidigungsministerium betonte, dass diese Aktivitäten darauf abzielen, die »umfassende strategische Partnerschaft« zu vertiefen. Die Übungen sind jedoch mehr als nur militärische Kooperation – sie sind eine klare Botschaft an die USA und ihre Verbündeten, dass Russland und China ihre Präsenz in einer geopolitisch sensiblen Region ausbauen wollen.

Die gemeinsamen Patrouillen, die nun geplant sind, markieren eine neue Stufe der Kooperation. Sie folgen auf frühere Aktionen, wie die Durchquerung der Tsugaru-Straße im Jahr 2021, die Japan mit Besorgnis beobachtete. Solche Aktionen zeigen, dass beide Länder ihre militärischen Fähigkeiten nicht nur testen, sondern auch demonstrieren wollen, um ihre Einflusssphäre im Pazifik zu erweitern. Diese Präsenz stellt eine direkte Herausforderung für die US-amerikanische Vorherrschaft dar, die durch die Präsenz von Flugzeugträgern wie der USS Theodore Roosevelt und Sicherheitsbündnisse mit Ländern wie Japan, Südkorea und Australien gesichert wird.

Die Rolle der BRICS-Staaten und die Spannungen mit dem Westen

Die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und China ist eingebettet in eine breitere geopolitische Dynamik, die durch den Aufstieg der BRICS-Staaten geprägt ist. Diese Länder positionieren sich zunehmend als Gegengewicht zur westlichen Ordnung, angeführt von den USA. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 haben Russland und China ihre wirtschaftlichen, diplomatischen und militärischen Beziehungen vertieft, um westliche Sanktionen zu umgehen und ihre strategische Autonomie zu stärken. China, das sich offiziell als neutral im Ukraine-Konflikt darstellt, wird von westlichen Staaten beschuldigt, Russland durch den Export von Dual-Use-Produkten zu unterstützen, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungen haben.

Die BRICS-Staaten verfolgen unterschiedliche, aber oft komplementäre Interessen. Während Russland seine Isolation durch den Westen durch engere Bindungen an China kompensiert, nutzt Peking die Partnerschaft, um billige Rohstoffe zu sichern und seine geopolitische Stellung zu stärken. Indien, ein weiteres BRICS-Mitglied, bleibt jedoch ein ambivalenter Akteur, da es enge Beziehungen zu Russland pflegt, aber gleichzeitig mit China um Einfluss in Asien konkurriert. Diese komplexen Dynamiken tragen zu den anhaltenden Spannungen zwischen den BRICS-Staaten und dem Westen bei, da sie die westliche Vorherrschaft infrage stellen und alternative Machtzentren schaffen wollen.

Die Spannungen werden durch die unterschiedlichen Weltanschauungen verschärft. Russland und China sehen die USA und die NATO als Hauptverursacher globaler Instabilität, während der Westen die autoritären Regime in Moskau und Peking als Bedrohung für die liberale Weltordnung betrachtet. Diese gegenseitige Wahrnehmung als Bedrohung führt zu einem Teufelskreis aus Misstrauen und militärischer Aufrüstung, der die globale Sicherheitslage destabilisiert.

Deutschlands mögliche Rolle als Vermittler

Angesichts dieser wachsenden Spannungen ist Deutschland gefordert, seine diplomatische Rolle in Europa und darüber hinaus zu stärken. Als wirtschaftlich starke und politisch einflussreiche Nation innerhalb der EU und der NATO hat Deutschland die Möglichkeit, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen. Die Bundesregierung hat bereits signalisiert, die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und China, insbesondere in sensiblen Regionen wie der Arktis, genau zu beobachten und sich eng mit ihren Verbündeten abzustimmen.

Deutschland sollte sich jedoch nicht allein auf militärische Abschreckung oder Sanktionen verlassen, sondern verstärkt auf Diplomatie setzen. Ein Ansatz könnte darin bestehen, Dialogformate wie den G20-Gipfel oder bilaterale Gespräche mit China und Russland zu nutzen, um Spannungen abzubauen. Besonders China, das wirtschaftlich stark mit Europa verbunden ist, könnte durch wirtschaftliche Anreize und diplomatischen Druck dazu bewegt werden, eine konstruktivere Rolle in globalen Konflikten wie dem Ukraine-Krieg zu spielen. Gleichzeitig sollte Deutschland darauf drängen, dass die NATO ihre Strategie so anpasst, dass sie China nicht unnötig provoziert, sondern in einen Dialog einbindet, ohne die eigenen Sicherheitsinteressen zu gefährden.

Dazu bräuchte es auch einen Politikwechsel in Berlin. Die AfD legt viel mehr Wert auf diplomatische Lösungen als es Friedrich Merz tut, der sich zu sehr darauf verlässt, zusammen mit Macron und Starmer Botschaften der Stärke auszusenden, statt auch auf verstärkte Kommunikation mit China und Russland zu setzen, um Wege aus der Krise zu finden.

 

Sven von Storch

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