Mit 1200 Euro netto keine Wohnung: Gebäudereiniger in Notunterkunft

Berlin_ 40-Stunden-Woche und trotzdem obdachlos

Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten 40 Stunden die Woche, verdienen 1200 Euro netto, und trotzdem können Sie sich keine Wohnung leisten. Willkommen in Berlin! Bezahlbarer Wohnraum wird zum Luxusgut.

In Berlin ist nun eingetreten, was Städte wie Frankfurt und München schon länger betrifft: Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Wir haben mehrfach darüber berichtet, welche kuriosen Mietsteigerungen die Bürger teileweise in Kauf nehmen müssen [siehe Bericht »Freie Welt«].

Viele können bei diesem Wahnsinn nicht mehr mithalten. Jüngstes Beispiel: Ein Gebäudereiniger aus Berlin, der bei einer 40-Stunden-Woche rund 1200 Euro netto verdient, findet keine bezahlbare Wohnung [siehe Bericht »B.Z.«]. Er muss in einer Notunterkunft mit Obdachlosen ein Zimmer teilen. Seine alte Wohnung musste er wegen Schimmels verlassen. Sein Wunsch: eine 1-Zimmer-Wohnung mit Küchenzeile für rund 450 Euro warm. Doch bisher gab es nur Absagen für den 47-Jährigen.

Jahrelang war diese Tendenz in Berlin abzusehen. Kiez für Kiez ist der Gentrifizierung zum Opfer gefallen. Mittlerweile ziehen auch im brandenburger Umland die Preise an, sogar schneller als in Berlin selbst, weil immer mehr Menschen auf das Umland ausweichen müssen. Das wird sofort ausgenutzt.

Bis die Politik des Berliner Senats hierauf reagiert hat, neue Wohnungen geplant und schließlich gebaut sind, ist es für die meisten Wohnungssuchenden schon zu spät. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet in Riesenschritten voran.

[Siehe hierzu auch den Freie-Welt-Artikel: »Max der Müllmann muss im Obdachlosenheim leben«]

Sven von Storch

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