Nie wieder Bevormundung wie in der DDR

Das Erwachen in den neuen Bundesländern

Die Bürger in Bundesländern wie Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern wählen anders als ihre Landsleute im Westen. Das hat wichtige Gründe: Sie sind sensibilisiert, wenn es um Propaganda und Zensur geht. Sie wollen sich kein zweites Mal ihre Freiheit nehmen lassen.

Auf viele Bürger der neuen Bundesländer im Osten der Republik wirkt die Kritik aus dem Westen arrogant und überheblich. Sie werden als »Dunkeldeutsche« beschimpft und müssen sich vorwerfen lassen, »falsch« zu wählen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zieht die Sachsen durch den Kakao der Satire, West-Journalisten spielen gegenüber den Ostdeutschen den Oberlehrer, und manche Aktivisten denken gar über einen Boykott ostdeutscher Waren nach, weil dort die AfD so stark gewählt wird. »In Sachsen dürfe man keinen Urlaub machen, denn die dort seien rechts, und das dürfe man nicht unterstützen«, lautet sinngemäß ein typischer Spruch.

Analysten wundern sich über das Wahlverhalten der Ostdeutschen und spinnen sich verrückte Erklärungen zurecht. Doch keiner kommt auf den Punkt. Und der ist einfach erklärt:

Nach den Erfahrungen mit der DDR, mit der SED und mit der Stasi sowie der erfolgreichen und friedlichen Revolution will man sich die Freiheit nicht mehr nehmen lassen!

Die Ostdeutschen haben sich ihre Demokratie 1989 erkämpft. Die Westdeutschen haben dagegen in der Nachkriegszeit die demokratischen Strukturen von den West-Alliierten übergestülpt bekommen.

Zumindest die älteren Mitbürger erinnern sich noch gut an die »Aktuelle Kamera«, an die Propaganda des »Neuen Deutschland« und an den »Schwarzen Kanal« von Karl Eduard von Schnitzler. Ihnen war klar, dass sie tagtäglich in den Medien belogen werden.

Ihnen war auch stets bewusst, dass man nicht frei und offen sprechen durfte, dass man Codes verwenden oder zu bestimmten Themen schweigen musste, wenn man nicht wollte, dass man eine persönliche Stasi-Akte angelegt bekommt, die das zukünftige Leben erschwert.

All dies hat die Bürger der neuen Bundesländer sensibilisiert. Sobald ihnen jemand sagt, dass man dieses oder jenes nicht sagen dürfe, werden sie hellhörig: Moment mal, das kennen wir doch?

Nirgendwo gibt es so viele Protestwähler wie in den neuen Bundesländern. Die Bürger wählen überdurchschnittlich viel die Linkspartei oder die Alternative für Deutschland. Die AfD ist in manchen Regionen zur stärksten Partei avanciert. Damit setzten sie klare Zeichen gegen Berlin und die Merkel-Regierung. Die Botschaft lautet: Mit uns nicht!

In den alten Bundesländern ist das anders: Den meisten Bürgern im Westen fehlen die Erfahrungen mit der Diktatur. Sie glauben an die Objektivität der Tagesschau und an die Ehrlichkeit der Regierenden. Daher reagieren sie verständnislos auf die Proteste im Osten. Einen Politikwechsel in Deutschland wird es daher wohl zuallererst mit den Ostdeutschen geben.

Sven von Storch

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