Deutschland wird abgehängt. Das zeigt sich an der verfallenden Infrastruktur, an der überbordenden Bürokratie und an der Industrieflucht.
Ein Beispiel, das aufzeigt, wie reformunfähig Deutschland geworden ist, ist das Schulsystem.
Ein Fakt vorneweg: Das Schulsystem des Deutschen Reiches um 1900 war weltweit an der Spitze. Deutschland hatte die niedrigsten Analphaten-Quoten weltweit.
Aber auch die alte BRD und DDR konnten gut mithalten. Doch in den letzten 30 Jahren zeigte der Weg vor allem in eine Richtung: bergab. Lesen, Schreiben, Rechnen, Allgemeinbildung, alles wird weniger.
In den Medien und vielen Studien werden Lehrermangel, soziale Gründe und Probleme der Integration genannt. Hinzu kommt natürlich noch die schwindende Vorbildfunktion und Autorität des Lehrers. Die Digitalisierung und die Sucht nach dem Smartphone sind sozugsagen der letzte Sargnagel.
Der Autor dieser Zeilen sieht aber auch die Engstirnigkeit des Lehrbetriebes und die Reformfeindlichkeit in den Schulbehörden sowie den Missbrauch der Schule als Politikfeld als Ursachen.
Egal ob Rot, Schwarz, Grün: Die Parteien sorgen auf Länderebene für Verschiebungen der Lerninhalte (siehe LGBTQ-Aufklärung, ideologische Änderung des Geschichtsunterrichts). Aber sie verbessern nicht die Effizienz der Schulen.
Die Oberschulämter und Kultusministerien sind zudem völlig unfähig, neue Lernkonzepte einzuführen, die das Lernen erleichtern und beschleunigen. Ein pädagogisches Konzept ist schlechter als das andere.
Ein Parade-Beispiel ist das Erlernen einer Fremdsprache: Es wird immer noch in alter Form (Lektion, Vokabeln, Grammatik) unterrichtet. All die Kenntnisse der Kognitionswissenschaften werden ignoriert. Sprachwissenschaftler aus aller Welt wissen: Wenn man eine Fremdsprache beherrschen möchte, muss man sie »erwerben« wie man seine Muttersprache erworben hat, nicht »erlernen«, indem man sich mit Vokabellisten quält.
Es gibt zahlreiche Methoden, die um ein Vielfaches dem althergebrachten Sprachunterricht überlegen sind: »Nature Method«, »Comprehensible Input«, »Birkenbihl-Methode«, »Assimil-Methode« usw. Es gibt Lateinbücher, die völlig ohne Vokabel-Listen und Grammatik-Übungen, ja sogar ohne Übersetzung auskommen: Das Erlernen des Lateinischen erfolgt rein kontextbezogen. Man liest und versteht, Schritt für Schritt.
Auch in der Mathematik gibt es zahlreiche Formen des gehirngerechten Lernens. In die Schule finden solche Methoden kaum Eingang. Wer wundert sich, wenn die Künstliche Intelligenz zunehmend als besserer Lehrer empfunden wird?
Aber die Probleme gehen noch tiefer: Es wird bei den Kleinkindern zu spät mit dem Unterricht angefangen. Gerade Kleinkinder lernen spielend und ruckzuck, was älteren Jugendlichen schwerfällt. In China und Japan hat man das begriffen. In deutschen Kindergärten werden die Kleinkinder in ihrer Entwicklung zurückgehalten.
Dagegen wird bei den pubertierenden Teenagern zu wenig darauf Rücksicht genommen, dass deren Gehirn durch die Hormone der Pubertät umgebaut wird. Teenager mit Frontalunterricht zu konfrontieren ist absolut ineffizient und für die Jugendlichen eine Qual.
Zudem kommt die Gleichbehandlung von Jungen und Mädchen, obwohl beide unterschiedliche Bedüfnisse haben. Jungs brauche mehr Bewegung und »Action«, Mädchen mehr Kommunikation.
Deutschlands Schulen sind allenfalls durchschnittliche Aufbewahrungsorte für Kinder und Jugendliche, damit die Eltern Zeit haben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aber als Orte der Bildung taugen nur wenige Schulen. Und diese sind oft teuer oder liegen in teuren Wohngegenden.
Deutschland sollte mehr von Finnland, Japan oder Singapur lernen. Ansonsten sieht Deutschlands Zukunft finster aus.


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