Bischöfe aus aller Welt treffen sich im Vatikan zu »Synoden«, um unter Vorsitz von Papst Franziskus verschiedene kirchenrelevante Themen zu diskutieren
Der von Franziskus eingesetzte Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, eröffnete nunmehr offiziell die Diskussion darüber, ob verheiratete Männer im Amazonas-Gebiet zu Priestern geweiht werden sollten.
Das erinnert an die Familiensynode 2014/15, als Kardinal Baldisseri aus dem Hintergrund heraus manipulierte, um die Synodenväter in eine Richtung zu lenken, nämlich »wiederverheiratete Geschiedene« zur hl. Kommunion zuzulassen– der Kasper-Vorschlag, der nach dem Wunsch von Papst Franziskus durchgesetzt werden sollte.
Der »Amazonas-Vorschlag« geht gleichfalls auf einen Bischof aus dem deutschen Sprachraum zurück: Erwin Kräutler ist österreichischer Missionsbischof, der seit zwanzig Jahren zwar emeritiert ist, aber als Vorsitzender der REPAM (Panamozonisches Kirchennetzwerk) gemeinsam mit Kardinal Hummes im Amazonas großen Einfluss genießt. Das Netzwerk wurde 2014 im Hinblick auf die Synode gegründet und bereitet diese inhaltlich vor.
Kräutler verficht gemeinsam mit Kardinal Cláudio Hummes seit Jahrzehnten das Ziel, für die Missionsgebiete verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, Priesterzölibat hin oder her.
Eine »Lockerung« für das Amazonas-Gebiet in Sachen Zölibat würde verheerende Auswirkungen für den Klerus im Rest der Welt haben: Als »Ausnahme« eingeführt, könnte es überall dort »zur Regel« werden – beispielsweise bald in Deutschland – wo angeblich Priestermangel herrscht.
Die Ursachen eines Priestermangels in Deutschland könnten dann außen vor bleiben, ebenso die Identität der katholischen Kirche überhaupt und deren Bild in der Öffentlichkeit.
Sehr fraglich ist überhaupt, ob die Weihe von viri probati eine Lösung der pastoralen Probleme im Amazonas-Gebiet darstellt. Sind verheiratete Männer willens, sich mit ihren Familien in entlegensten Orten unter schwersten Lebensbedingungen niederzulassen? Ist es erstrebenswert, dass ein Familienvater ständig in Trennung von seiner Familie lebt, weil er in den weit verstreuten Gemeinden, die tagelange Reisen erfordern, seinem Dienst nachkommen muss?
Ein Lebensstil, den zahllose ehelos lebende Ordensleute und Priester selbstverständlich annehmen. Deswegen sollte man sich weiterhin auf deren Tätigkeit verlassen, die in der Vergangenheit großartige Erfolge erzielen konnte, allerdings heute mit stärkerem Schwerpunkt auf ihrer missionarischen Aufgabe. Die Berufung zum Missionspriester ist ein eigener Lebensweg und sollte mehr Anerkennung und Förderung in der Kirche erfahren.
Eine Ausnahme einzuführen, die dann de facto die Regel ändert, sieht nach einer wiederkehrenden Strategie von Papst Franziskus aus, wie man es in anderen Fällen bereits gesehen hat.
Der Schritt von einem »optionalen« Zölibat mancherorts zu einer flächendeckenden Aufgabe der uralten kirchlichen Disziplin ist schnell gemacht und scheint einer der Beweggründe der zukünftigen Synode überhaupt zu sein.


Add new comment