Geopolitisch wird sich die Welt verändern

Wird China als Gewinner aus der Krise hervorgehen_ Mitnichten!

Die Coronavirus-Krise hat in der Weltpolitik und Weltwirtschaft zu massiven Verwerfungen geführt. Zahlreiche Staaten überdenken ihre Beziehungen zur Volksrepublik China.

Im Januar und Februar 2020 schien es, als würde China vor dem Abgrund stehen. Das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) schien die Volksrepublik in ihren Grundfesten zu erschüttern. Eine 11-Millionenstadt (Wuhan) musste komplett abgeriegelt werden. Eine komplette Provinz (Hubei, ca. 60 Mill. Einwohner) wurde quasi unter Quarantäne gestellt. Zahlreiche Millionenstädte in China wurden mit einem Lockdown bedacht. Hunderttausende von Firmen und Betrieben gerieten in Schieflage, die Wirtschaft stocke, der Export brach ein. Die Welt schaute mit entsetzen nach China.

Doch dann wendete sich (scheinbar) das Blatt. China bekam (nach offiziellem Erzählmuster) die Epidemie in den Griff. Die offiziellen Zahlen schienen anzudeuten, dass China mit Erfolg die Krise gemeistert hat und nun Schritt für Schritt wieder seine Wirtschaftskraft entfalten kann, während Staaten wie die USA unter der Last der Epidemie und des Lockdowns zusammenzubrechen drohen und Millionen Amerikaner arbeitslos geworden sind.

Schon wurde unter vielen Beobachtern, Journalisten und Politikern schon davon gesprochen, dass China am Ende als globaler Gewinner aus der Krise hervorgehen könnte [siehe Bericht »The Economist«]. Doch das ist eine voreilige Einschätzung. Zumal niemand mehr den offiziellen Corona-Zahlen aus China Glauben schenkt.

Geopolitisch wird sich Welt verändern: Immer mehr Staaten überdenken ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu China

In den USA und Australien sind die Töne gegenüber China schärfer geworden. Anfangs waren es vor allen die USA, die durch den Handelsstreit mit der Volksrepublik sowieso angespannte Beziehungen haben. Doch mit der Corona-Virus-Krise gehen auch Staaten wie Australien, Neuseeland und Großbritannien auf Abstand zu China. Australien hat sich an die Spitze der Staaten gestellt, die eine unabhängige Untersuchungskommission zum Ursprung des SARS-CoV-2-Virus fordern. China reagierte empört und drohte offen mit Handelssanktionen gegen Australien. Dort regierte wiederum die australische Öffentlichkeit empört, über die Dreistigkeit und Offenheit, mit der Peking Drohungen ausspricht.

In Australien und in den USA wird jetzt offen darüber diskutiert, die wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu reduzieren und mehr Produktionsketten zurück in die Heimat zu verlagern. In der Coronavirus-Krise wurde dies besonders im Medizinsektor offensichtlich: Ein großer Teil der Welt ist von Produkten aus China abhängig, um relevante pharmazeutische Produkte herzustellen. Wenn China kurzfristig den Export von Pharmabestandteile stoppt, stehen viele Produktionsketten für Medikamente weltweit still. Diese Abhängigkeit ist erst durch die aktuelle Krise so offensichtlich geworden, das sie ganz oben auf die politische Agenda gehoben wurde.

In der EU wird offen darüber diskutiert, ob die europäischen Regierungen wichtige Anteile relevanter europäischer Firmen kaufen sollten, um eine Übernahme solcher durch China zu verhindern. Schon lange macht sich die Sorge breit, dass Chinas Einfluss in Europa durch den Aufkauf von Firmen und Firmenanteilen sowie durch das Absaugen des Knowhows Europa langfristig massiv schaden könnte.

Weltweit schockiert ist man, wie Peking die Warner unter den Ärzten anfangs behandelt hat. Und das zu einer Zeit, in der Welt ohnehin schon besorgt die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und die Drohungen Xi Jinpings gegen Taiwan beäugt.

Ebenfalls offenbar wurde der Einfluss der kommunistischen Regierung China auf globale Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die USA drohen als Reaktion mit dem Stopp der Beitragszahlungen.

Das Projekt der Neuen Seidenstraße, die Wirtschaftsverflechtungen mit China, die Produktionsketten, der Einfluss China auf internationale Organisationen — all dies wird von immer mehr Staaten in Frage gestellt und überprüft. Kurz: China hat sich durch seine aggressive Propaganda, seine Drohungen und seine Politik der Einschüchterung selbst isoliert. Das kommunistische Regime hat seine freundlich lächelnde Maske abgenommen. Das wahre Gesicht tritt zutage. Es ist dasselbe, wie zu Maos Zeiten.

 

 

Sven von Storch

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