Anscheinend werden Methoden, die während der NS-Zeit gegen Juden angewendet wurden, von einigen deutschen Linken, insbesondere bei grünen Funktionsträgern, zunehmend wieder gutgeheißen. Glauben Sie nicht? Dann betrachten Sie den folgenden Fall, der sich in der letzten Woche in Berlin im Zusammenhang bei einem geplanten Auftritt in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg des international bekannten israelischen Schriftstellers Dr. Iddo Netanyahu.
Dr. Iddo Netanyahu, ein Schriftsteller, der 1952 in Jerusalem geboren wurde, ist der Sohn des Historikers und bedeutenden Zionisten Benzion Netanyahu. Er ist auch der Bruder des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie des Nationalhelden Jonathan Netanyahu, der 1976 bei der von ihm geleiteten und damals sensationellen Geiselbefreiung von Entebbe ums Leben kam. Bevor er als Dramatiker Erfolg hatte und seine Stücke unter anderem in New York, Moskau und St. Petersburg aufgeführt wurden, diente Iddo Netanyahu bei den Spezialkräften der israelischen Armee und machte Karriere als Radiologe. Sein in Israel bereits 1998 veröffentlichter Roman »Itamar K.« erschien letztes Jahr in der Übersetzung des Publizisten und jüdischen AfD-Politikers Artur Abramovych im Gerhard-Hess-Verlag erschienen. Dieser Roman, so der Publizist Michael Klonovsky, »könnte genauso gut im heutigen Deutschland spielen«. Es handelt sich um eine Satire, die grotesk, bitter, aber auch rasend komisch ist.
Inhalt »Itamar K.«
Der Roman »Itamar K.« handelt von einem jungen Drehbuchautor, der nach seinem Studium an der berühmten New Yorker Juilliard School nach Israel zurückkehrt, um einen Film über den verstorbenen jüdischen Sänger Shaul Melamed zu drehen, den er bewundert.
Itamar Koller ist ein junger Geiger, der in Jerusalem aufgewachsen ist und den Wunsch hat, Filmregisseur zu werden. Nach einem Aufenthalt in den USA kehrt er in seine Heimat zurück. Dort setzt er sich auf die Suche nach einem Produzenten für seinen ersten Film, an den er fest glaubt und für den er das Drehbuch geschrieben hat. Dieser Film erzählt die Geschichte eines israelischen Opernsängers, der bereits vor Jahren verstorben ist und den Itamar persönlich kannte: Shaul Melamed, eine charismatische Persönlichkeit, die den einheimischen Intellektuellen am Herzen liegt und sich von den üblichen Mustern abhebt. Shaul glaubte fest daran, dass der Staat Israel angesichts ständiger palästinensischer Angriffe jedes Recht und jede Pflicht habe, sich zu verteidigen. Doch genau diese politisch inkorrekte Haltung stößt auf den Unmut der potenziellen Finanziers. Bei seiner Suche nach einem Geldgeber stößt Itamar auf die Widersprüche und die Heuchelei des israelischen Kulturumfelds. Hier tummeln sich Charaktere von zweifelhafter Professionalität und urkomische, zu allem bereite Künstler, jeder mit seiner eigenen, persönlichen Vision vom Schicksal des Gelobten Landes. »Itamar K.« ist eine scharfe und ironische Kritik an der widersprüchlichen Kulturwelt, verfasst von einem begabten Autor.
Gleich erste Lesung gecancelt
Derzeit befindet sich Iddo Netanyahu auf einer Lesereise durch Deutschland, um seinen Roman vorzustellen. Dabei kam er gleich bei seinem ersten geplanten Auftritt in den »Genuss« der Cancel culture, denn sein geplanter Auftritt wurde aufgrund der Intervention des DIG-Vorsitzenden Volker Beck abgesagt bzw. neudeutsch gecanceled.
Jochen Feilcke, der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Organisation, hatte Iddo Netanyahu zur Lesung eingeladen. Obwohl kein direkter Bezug zur gegenwärtigen politischen Situation oder zur umstrittenen Rolle seines Bruders in Deutschland besteht, wurde die für den 20. März 2024 geplante Veranstaltung im letzten Moment abgesagt.
Die Begründung hat es in sich: »Der Grund dafür ist die Tatsache, dass der israelische Autor in Deutschland von politisch weit rechts stehenden Gruppen vereinnahmt wird und sich auch vereinnahmen lässt. Seine Vortragsreise findet außer bei uns ausschließlich in politisch weit rechts stehenden Organisationen und Institutionen statt. Dazu zählen wir nicht und dazu wollen wir nicht gehören.«
Mit den »weit rechts stehenden Organisationen und Institutionen« meint Feilcke unter anderem »die Christlichen Israelfreunde Norddeutschland Hannover«, aber auch die offizielle Jüdische Gemeinde der Stadt Bamberg, die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg, in deren Syangoge die Lesung stattfand.
Die »Freie Welt« fragte direkt bei Iddo Netanyahu nach, was er zur Absage der Lesung in Berlin denkt.
Iddo Netanyahu: »Es ist nicht ungewöhnlich für mich, das Schicksal von Itamar K. zu teilen, sowohl lange bevor ich den Roman geschrieben habe als auch danach. Aber ich muss sagen, dass dies das erste Mal ist, dass eine meiner geplanten Veranstaltungen abgesagt wurde. Und aus welchem Grund? Ein erfundener, unsinniger Grund wird angegeben. Könnten sie nicht einfach zugeben, dass sie sich in diesen Zeiten, gelinde gesagt, unwohl fühlen, wenn sie jemanden mit meinem Namen und insbesondere meinen Ansichten unterstützen? Diese Absage in Berlin ist ein weiteres Beispiel dafür, wie im heutigen Westen die Stimmen von Künstlern und anderen aus politischen Gründen zum Schweigen gebracht werden, und es scheint direkt aus den Seiten meines Romans zu stammen. Das Buch ist somit in gewisser Weise prophetisch. Interessant finde ich die Begründung der Absage. Man sprach von ›rechten‹ Organisationen, was völliger Unsinn ist, wie z.B. in Hannover oder Bamberg. Die DIG schrieb mir mit in die Absage ›Wir hoffen, Sie verstehen das‹ – ich antwortete ›natürlich verstehe ich das, ohne Frage, denn mein Buch handelt ja genau davon, es hat ja die Ausgrenzung von Künstlern in Israel wegen ihrer politischen Ansichten zum Thema... und was da jetzt in Berlin passierte, finden sie auch in den Seiten meines Buches wieder.‹«
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