Egal ob brennende Kirchen, Bomben-Attentate, Selbstmord-Anschläge, Messer-Attacken, Macheten-Massaker oder Axt-Angriffe: Immer wieder sorgen radikale Fundamentalisten für Horror-Nachrichten. Im vielen Moscheen und Hinterhof-Moscheen, in vielen Koran-Schulen und islamischen Religionsgruppen wird der Koran noch heute so gelesen und gedeutet, indem der Inhalt wörtlich genommen und für die heutige Zeit interpretiert wird.
Genau dies sieht der Religions-Experte Mouhanad Khorchide kritisch, wie er im NDR kommentierte. Seiner Meinung nach bedürfe der Islam einer Reform. Er schreibt:
»Um den Islam von Gewaltpotentialen möglichst zu befreien, braucht er eine Reform. Diese betrifft zum Beispiel den Umgang mit dem Koran. Eine zeitgemäße Lesart des Korans verlangt von Muslimen, seine Aussagen in ihrem historischen Zusammenhang zu verstehen. Die Gewaltaussagen im Koran beschreiben bestimmte kriegerische Situationen im siebten Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel, stellen aber keineswegs Befehle an die heutigen Muslime dar. Eine Rechtfertigung für Gewalt und Terror sind sie heute nicht.«
Mouhanad Khorchide erklärt, dass die Ideale, Ziele und Werte im Koran die arabische Welt des 7. Jahrhunderts n. Chr. widerspiegeln. Der Koran brachte für die Menschen der damaligen Zeit und Gesellschaft Befreiung und Fortschritt. Aus dieser Perspektive gab der Koran also eine Befreiende Richtung vor, der man auch heute folgen könnte. Doch stattdessen werden dogmatisch die Werte aus dieser Zeit wie statische Vorgaben in die heutige Zeit übertragen. Genau in diesem Punkt sieht Mouhanad Khorchide den größten Reformationsbedarf.


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