Der Berliner BER lässt noch auf sich warten

Peking hat schon wieder einen neuen Riesenflughafen eröffnet

China klotzt, Deutschland kleckert. Während der Berliner BER-Flughafen immer noch geschlossen ist, hat Peking schon wieder einen Mega-Airport geöffnet. Dabei war gerade erst vor wenigen Jahren zu den Olympischen Spielen ein neuer Riesen-Terminal am alten Pekinger Flughafen geschaffen worden.

[Siehe hierzu die Infografiken der »China Daily« HIER]

Man traut seine Augen nicht: Schon wieder hat Peking in Nullkommanichts einen Mega-Fughafen aus dem Hut gezaubert. Einfach so. Innerhalb von weniger als vier Jahren. Rekordzeit! Es ist der »Daxing International Airport« [siehe Berichte »Tagesschau«, »Spiegel-Online«, »FAZ«]. Er hat das größte Flughafengebäude der Welt. Supermodern! Er soll zunächst rund 45 Millionen, später bis zu 100 Millionen Fluggäste pro Jahr abfertigen.

Dabei war gerade erst vor wenigen Jahren, zu den Olympischen Spielen 2008, ein neuer supermoderner Riesen-Terminal am alten Pekinger Flughafen geschaffen worden! Doch das reicht den Chinesen nicht. Ein zweiter Superflughafen musste her. Er liegt zwar rund 50 Kilometer außerhalb der Mega-City, so dass die Reisenden mit einem Schnellzug in die Innenstadt gebracht werden müssen. Aber das bekommen die Chinesen schnell auf die Reihe. In Shanghai liegt der Flughafen auch weit außerhalb der Stadt. Doch die Magnetschwebebahn bringt die Gäste schnell vom Airport in die City.

Für Chinesen muss es geradezu erbärmlich wirken, wenn sie zur deutschen Hauptstadt fliegen, dort in Berlin-Tegel aus dem Flugzeug steigen, einen klitzekleinen veralteten und schlecht organisierten Flughafen vorfinden, und dann mit der völlig verschmutzen U-Bahn in die Innenstadt fahren. Wenn sie dann noch lesen, dass der Berliner Flughafen BER seit 13 Jahren Bauzeit immer noch nicht fertig ist, was sollen sie dann von Deutschland als Technologienation halten?

Tatsächlich macht sich die chinesische Presse schon jetzt über den Berliner Flughafen lustig. Berlin könne von Peking lernen, heißt es. Recht haben sie, die Chinesen. Deutschland wandelt sich vom Vorbild zum Armutsbild. Deutschland wird bald so heruntergekommen sein, wie der »Rust Belt« in den USA. Berlin wird dann wie Detroit ausschauen: verwahrlost, schmutzig, heruntergekommen — eine Stadt, in der nichts funktioniert. Aber vielleicht haben wir Glück, und die chinesischen Touristen lassen uns ein paar Almosen da.

***

Nachtrag: Passend zur Lage berichtet die Presse, dass die BER-Geschäftsführerin um die vorzeitige Auflösung ihres Vertrags gebeten habe. Jetzt muss sich die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft einen neuen Finanzchef suchen [siehe Bericht »Focus«].

Da mittlerweile zahlreiche Fotos sowohl zum Daxing International Airport als auch zum Berliner BER veröffentlicht sind, kann sich übrigens jeder selbst ein Bild davon machen, was die Chinesen unter einem modernen großen Flughafen verstehen und die Deutschen. Es ist wie der Vergleich einer Industriemacht mit einem Entwicklungsland.

Sven von Storch

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