Das Unternehmen hinter diesen Systemen ist nicht eines der bekannten Tech-Giganten wie Google, Amazon oder Microsoft. Es trägt einen Namen, den die meisten Menschen kaum aussprechen können – und genau das scheint Teil einer bewussten Strategie zu sein.
Eine neue Architektur der Macht jenseits klassischer Kategorien
Die öffentliche Debatte über Big Tech, Datenschutz und künstliche Intelligenz dreht sich meist um Überwachungskapitalismus, militärische Anwendungen oder Lobbyismus. Palantir passt jedoch in keine dieser Schubladen. Das Unternehmen baut keine Werbeplattformen, verkauft keine Nutzerdaten und speichert in vielen Fällen technisch gesehen gar nicht die personenbezogenen Informationen der Bürger. Stattdessen liefert es Software, die zur operativen Infrastruktur des Staates selbst wird. Das Geschäftsmodell besteht darin, staatliche Prozesse in proprietäre Systeme zu integrieren und damit die Art und Weise zu definieren, wie Daten interpretiert und Entscheidungen getroffen werden.
In der Informatik wird dieses Konzept „Ontologie“ genannt: Es geht nicht darum, wo Daten gespeichert werden, sondern darum, welche Bedeutung sie erhalten, wie sie miteinander verknüpft werden und welche Schlussfolgerungen daraus automatisch abgeleitet werden. Wer die Ontologie kontrolliert, kontrolliert letztlich die Logik der Verwaltung – auch wenn die Rohdaten beim Staat verbleiben.
Die drei offenen Fronten: Gesundheit, Migration und Ernährung
Im britischen National Health Service (NHS) läuft seit 2020 ein Vertrag mit Palantir, der 2025 auf 330 Millionen Pfund aufgestockt wurde. Die sogenannte Federated Data Platform soll klinische Daten zentralisieren, Diagnosen beschleunigen und Wartelisten abbauen. Kernanwendungen wie Cancer 360 für die Krebsnachsorge und Optica für Krankenhausentlassungen sind jedoch Eigenentwicklungen von Palantir. Das geistige Eigentum an der speziell für den NHS angepassten Software liegt beim Unternehmen, nicht beim Staat. Eine Kündigung würde die gesamte Onkologie- und Entlassungslogistik lahmlegen. Der Einstieg begann 2020 symbolisch mit einem Vertrag über ein einziges Pfund.
In den USA hat die Einwanderungsbehörde ICE 2025 einen Auftrag über 30 Millionen Dollar für die Plattform „Immigration OS“ vergeben – ein vollwertiges Betriebssystem für den gesamten Einwanderungslebenszyklus. Es integriert biometrische Daten, Telefonstandorte, Führerscheinscans, Flugdaten und Gesundheitsinformationen. Ein Modul namens „Elite“ ermöglicht die visuelle Kartierung von Stadtvierteln mit hoher Dichte potenzieller Ziele. Später folgte eine Rahmenvereinbarung mit dem Department of Homeland Security über bis zu einer Milliarde Dollar in fünf Jahren.
Im US-Landwirtschaftsministerium (USDA) wurde 2026 ein weiterer Vertrag über 300 Millionen Dollar im Rahmen eines „Blanket Purchase Agreement“ geschlossen. Die Plattform „Landmark“ soll die Lebensmittelversorgungskette sichern, Agrarbeihilfen modernisieren und Betrug aufdecken. Bei einem 11-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramm für Landwirte verarbeitete das System im Februar 2026 sämtliche Online-Anmeldungen in nur 62 Minuten und verteilte innerhalb von fünf Tagen 4,4 Milliarden Dollar.
Vom Tolkien-Namen zum ideologischen Manifest
Der Name „Palantir“ stammt aus J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ und bezeichnet die „Sehsteine“ – Kristallkugeln, die entfernte Ereignisse sichtbar machen und ihren Nutzern Macht über ganze Königreiche verleihen. Das Unternehmen wurde 2003 mit Beteiligung von In-Q-Tel, dem Investmentarm der CIA, gegründet. 2026 veröffentlichte CEO Alex Karp das Buch „The Technological Republic“. Darin fordert er nicht weniger Staat, sondern einen starken, technologisch aufgerüsteten Staat, der öffentliche Mittel gezielt in digitale Kontrollsysteme lenkt. Die moralische Frage, ob Massenüberwachung, prädiktive Abschiebungen oder automatisierte Zielerkennung gerechtfertigt sind, wird durch eine technologische Logik ersetzt: Wenn wir es nicht tun, tun es andere.
Politisches Netzwerk und strukturelle Abhängigkeit
Hinter Palantir steht Mitgründer Peter Thiel, der seit Jahren Kandidaten, Think Tanks und Projekte finanziert, die eine skeptische Haltung gegenüber liberaler Demokratie und klassischer Marktwirtschaft vertreten. Einer der prominentesten Nutznießer dieser Unterstützung ist der heutige US-Vizepräsident JD Vance. Im Vereinigten Königreich gab es 2025 parlamentarische Anfragen zu Besuchen hochrangiger Regierungsvertreter beim Unternehmen und zu Beratungsverträgen ohne Ausschreibung.
Das Modell erinnert an „Technofeudalismus“: Der Staat wird zum Mieter seiner eigenen Entscheidungsinfrastruktur. Der Einstieg erfolgt oft mit niedrigen Kosten oder symbolischen Beträgen, die Abhängigkeit wächst exponentiell. Nach wenigen Jahren sind Prozesse so stark um die Software herum neu gestaltet, dass ein Ausstieg die Verwaltung monatelang lahmlegen würde. Jeder zusätzliche Vertrag erhöht die Kosten eines Wechsels.
Die unsichtbare Verschiebung der Souveränität
Die Verträge betreffen nicht abstrakte „Systeme“, sondern konkrete Lebensbereiche: Gesundheitsentscheidungen für Patienten, Razzien in Stadtvierteln, die Vergabe von Agrarsubventionen. Die Bürger werden nie direkt gefragt, ob sie eine proprietäre Ontologie eines privaten Unternehmens mit Sitz in Denver als Grundlage staatlicher Entscheidungen akzeptieren. Die Tolkien-Metapher der Palantíri ist dabei bewusst gewählt: Wer einen Sehstein benutzt, wird selbst sichtbar für den, der den Meisterstein kontrolliert.
Ob 2026 tatsächlich das Jahr der vollständigen Übernahme wird, hängt davon ab, wie weit die Abhängigkeiten in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden. Die Entwicklungen im NHS, bei ICE und beim USDA zeigen jedoch ein klares Muster: Der Staat gibt operative Kapazitäten freiwillig ab – nicht durch Eroberung, sondern durch Verträge, technische Integration und politische Nähe. Die Frage, wer letztlich die Ontologie der westlichen Verwaltung definiert, bleibt offen.


Comments
Speerspitze des neuen Faschismus?
Eventuell ist Palantir gar kein privates Unternehmen,
sondern eine reine CIA-Front-Firma, die jetzt, für
CIA-'Oldboys' und 'Investoren' des Establishments [1],
eine Repressions-Technologie privatisiert, die mal
vom Staatsschulden-Zahler vorfinanziert wurde − freilich
ohne sein Wissen: Das Geld für solche Projekte stammt
ja regelmäßig aus den 'Black Budgets' der Regierung.
Allerdings könnte Palantir auch mit Geld aus den
Drogengeschäften der CIA finanziert sein, die sie ja
bekanntlich seit über 50 Jahren weltweit betreibt [2] --
vollkommen straflos, und ohne dass Outsider wissen, in
welchen Taschen die Profite schlussendlich gelandet sind.
Wenn Palantir nun zur "neuen Infrastruktur des Staates"
wird, leistet das, in jedem Fall, einer Verschmelzung von
'Corporations' und 'Government' weiter Vorschub.
Und das ist wohl DIE Definiton von Faschismus, wie es
US-Talkmaster Bill Maher sagt [3]
Notes:
[1] In-Q-Tel: The CIA Gets Into Venture Capital
https://www.youtube.com/watch?v=U-LL8COV0VQ
[2] CIA drug trafficking
https://www.youtube.com/results?search_query=CIA+drug+trafficking
[3] "George Carlin a Prophet"; Min 1:35
https://old.bitchute.com/video/Fq1ylI5xZMBM/
Ihrer Annahme .....
Ihrer Annahme oder Vermutung kann ich nur zustimmen. Denn ein Geheimdienstunternehmen ist es auf jeden Fall, da es die 100%ige Überwachung und Kontrolle eines jeden Einzelnen auf diesem Planeten als Zielstellung hat. Und DAS auch ohne die Zustimmung der Menschen selbst. Also Datenschutz ist nur noch eine Farce! Vermutlich aber wird Palantir nicht allein für die CIA, sondern wahrscheinlich für mehrere weltweite Geheimdienste arbeiten und von diesen künftig auch finanziert werden. Ein deutsches, westliches Bundesland - mir ist entfallen welches - nutzt ja für sich auch schon dieses Überwachungssystem von Palantir mit der scheinheiligen Begründung, terroristischen Anschlägen in seinem BL frühzeitig auf die Spur kommen zu können.
Dass eine solche 100%ige Überwachung ALLER mit Demokratie und einem Staat ABSOLUT nichts mehr gemein hat, sondern höchst faschistische Methoden betreibt und anwendet, scheint aber niemanden zu stören.
... „In westlichen Staaten…
... „In westlichen Staaten entscheiden zunehmend Algorithmen und Softwareplattformen über konkrete Einzelfälle: welcher Einwanderer in den nächsten Stunden festgenommen wird, welcher Patient im britischen Gesundheitssystem priorisiert in den Operationssaal kommt oder welcher Landwirt in den USA staatliche Hilfen in Milliardenhöhe erhält.“ ...
Ja mei: Wobei es heutzutage scheinbar ganz besonders wichtig erscheint zu wissen, wer die Demos zum 1. Mai meidet!!! https://www.youtube.com/watch?v=kGqVx_mWf_4
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