[Siehe auch Interview von Beatrix von Storch mit Prof. Dr. Thorsten Polleit auf Freie-Welt-TV HIER]
Freie Welt: Herr Professor Polleit, Ihr neues Buch (»Mit Geld zur Weltherrschaft: Warum unser Geld uns in einen dystopischen Weltstaat führt – und wie wir mit besserem Geld eine bessere Welt schaffen können«), das vor einigen Tagen erschienen ist, trägt einen Titel, der wirklich neugierig macht und wohl auch Erwartungen weckt. Doch bevor inhaltlich einsteigen, nennen Sie uns doch vorab vielleicht ein, zwei Gründe, warum man Ihr Buch lesen sollte.
Thorsten Polleit: Ich führe zwei Gründe an. Erstens: Mein Buch beschäftigt sich mit einer sehr dramatischen Entwicklung, die leider vielfach übersehen wird. Und zwar mit einem Prozess, an dessen Ende ein einheitliches Weltgeld steht, und dessen wirtschaftliche und politische Folgen schlichtweg furchtbar wären. Zweitens: Ich wende die sogenannte „apriorische Handlungslogik“ an, um Geschehnisse, die schon seit Jahrzehnten im Gange sind, zu erfassen und zu deuten. Das ist ein analytischer Denkansatz, der meines Wissens so noch nicht angewendet wurde, der jedoch wissenschaftlich richtig und daher auch augenöffnend ist.
Freie Welt: Sie schreiben Sie, das derzeitige Geldsystem führe in einen «dystopischen Weltstaat» führt. Das müssen Sie mir genauer erklären. Meine erste Frage dazu wäre: Wie kann denn das heutige Geldsystem einen Weltstaat hervorbringen?
Thorsten Polleit: Am Anfang steht die Einsicht, dass der „demokratische Sozialismus“ die heute weltweit dominierende Ideologie ist. Ihm zufolge müssen die Politiken der Nationen immer enger miteinander koordiniert werden – denn die Herausforderungen unserer Zeit – Umwelt, Terrorismus, Finanz- und Wirtschaftskrisen – könnten nur noch in der Gemeinschaft der Nationen gelöst werden, am besten natürlich, wenn die Nationen ihre Souveränität an eine zentrale supra-nationale Instanz abgeben, an so etwas wie einen „Rat der Nationen“, an eine Weltregierung …
Freie Welt: … nun gut, aber wie soll daraus eine Weltwährung entstehen können?
Thorsten Polleit: Dem Traum der demokratischen Sozialisten von einer Weltregierung stehen die Nationen entgegen. Eine einheitliche Weltregierung lässt sich nämlich nicht errichten, solange es Nationen und Nationalstaaten gibt, die auf ihre Souveränität pochen. Und das ist auch der Grund, warum die demokratischen Sozialisten auch so bestrebt sind, die Nationen, den Nationalstaat zu überwinden. Ein Stichwort lautet hier: Politik der offenen Grenzen. Und ich zeige in meinem Buch mit logischen Mitteln auf, dass sich die Nationen und die Nationalstaaten sich in absehbarer Zeit nicht überwinden lassen, wenn die Demokratie erhalten bleiben soll.
Freie Welt: Aber wenn das so ist, wie sie sagen, wie lässt sich denn dann eine Weltwährung aus der Taufe heben? Das setzt doch die Zustimmung der Nationen voraus, oder irre ich mich?
Thorsten Polleit: Sie irren sich ganz und gar nicht! Und jetzt wird es wirklich spannend. Ein einheitliches Weltgeld ist quasi der „Zwingmeister“, mit dem sich die Nationalitäten, die Nationalstaaten quasi durch die Hintertür überwinden lassen. Denn es gibt einen ökonomisch vernünftigen Grund, dass die Nationen, die Nationalstaaten sich auf ein Geld einigen. Er lautet: Ein Geld auf der Welt wäre optimal. Denn wenn alle Menschen mit dem gleichen Geld handeln, dann wird die produktive Kraft des Geldes optimiert. Und weil heutzutage die Nationalstaaten das Geldmonopol in ihrem jeweiligen Territorium innehaben, sind diejenigen unter ihnen, die demokratisch-sozialistisch gesinnt sind, nur allzu bestrebt, ihre Währungen in eine Einheitswährung zu überführen … .
Freie Welt: … wenn ich Sie so sprechen hören, dann erinnert mich das sogleich an den Euro!
Thorsten Polleit: Ganz zu Recht! Der Euro ist gewissermaßen ein Weltwährungsprojekt „im Kleinen“: 1999 wurden 11 nationale Währungen in eine Einheitswährung überführt. Dahinter steckt der demokratische Sozialismus mit seinem Bestreben, eine, nennen wir es, europäischen Einheitszivilisation zu schaffen: Mittels Euro die „Vereinigten Staaten von Europa“ schaffen, die Nationalstaaten überwinden, sie einer zentralen Instanz unterstellen. Aber nicht etwa um eine freie Marktwirtschaft zu schaffen, sondern um ein sozialistisches Großprojekt zu realisieren. Und genau das müssen die demokratischen Sozialisten auch „im Großen“ anstreben. Denn ihr demokratischer Sozialismus kann nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Konkurrenz kann nicht geduldet, sie muss ausgeschaltet werden.
Freie Welt: Wie weit sind wir auf dem Weg in Richtung Weltgeld und Weltstaat vorangeschritten?
Thorsten Polleit: Schon recht weit. Bedenken Sie: Bereits im 19. Jahrhundert gab es übrigens ein Weltgeld: und zwar in Form des Goldes. Das war nun aber ein freiwilliges Arrangement, getrieben von ökonomischer Vernunft, nicht politischen Ideologien. Im 20. Jahrhundert fiel man jedoch in den Währungsnationalismus zurück dank des demokratischen Sozialismus‘: Jedes Land will sein eigenes ungedecktes Papiergeld. Und nur deshalb gibt es heute die „multipolare Währungswelt“ mit US-Dollar, Euro, chinesischem Renminbi und vielen anderen.
Und da die weltweite Arbeitsteilung stetig voranschreitet, spricht heute immer mehr für ein Weltgeld, und die Frage steht längst im Raum: Wer soll das Weltgeld bereitstellen: Die Staatgemeinschaft oder der freie Markt? Viele Vorschläge wurden dazu gemacht von namhaften Ökonomen. Nahezu alle plädieren – aufgrund politischer Motive – für ein staatliches Weltgeld. Und genau das ist das Problem: Denn ein staatliches Weltpapiergeld schafft Strukturen, die die Freiheit des Individuums, wie wir sie heute kennen, beerdigen, die in Tyrannei enden.
Freie Welt: In Ihrem Buch bieten Sie eine Lösung des Problems an. Sie fordern einen „freien Markt für Geld“ und eine „Privatrechtsgesellschaft“. Was verbinden Sie damit?
Thorsten Polleit: Die Lösung ist denkbar einfach. Das staatliche Geldmonopol muss fallen. Ein freier Markt für Geld bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als jeder die Freiheit hat, das Geld wählen zu können, das er zu verwenden wünscht. Und dass jeder die Freiheit hat, Güter anbieten zu dürfen, von denen er meint, sie werden von den Nachfragern als Geld gewünscht. Ein freier Markt für Geld ist gewissermaßen der Ausdruck eines Selbstbestimmungsrechtes, das jedem Menschen zusteht.
Das Konzept der Privatrechtsgesellschaft reicht im Grund weit zurück in die Ideengeschichte. Es wurde in der Neuzeit vor allem in intellektuell großartiger Weise konzeptualisiert durch den US-amerikanischen Ökonomen und Philosophen Murray N. Rothbard (1926–1995) und seinen Schüler Hans Hermann Hoppe (* 1949). Privatrechtgesellschaft bedeutet, dass für alle das gleiche Recht gilt. Und das heißt nichts anderes, als dass es den Staat, wie wir ihn heute kennen – als den territorialen Zwangsmonopolisten – nicht mehr geben darf. Denn den Menschen steht ein unbedingtes Selbstbestimmungsrecht zu. Sie müssen ihre Nachfrage nach zum Beispiel Recht und Sicherheit selbst frei wählen können. Ein freier Markt für Geld ist gewissermaßen eine natürliche Konsequenz der Privatrechtsgesellschaft. Die Idee der Privatrechtsgesellschaft ist der Schlüssel für Frieden und Wohlstand auf dem Globus!
Freie Welt: Vielen Dank, Herr Professor Polleit, Ihre Antworten machen Appetit auf mehr, haben ganz bestimmt Interesse an Ihrem neuen Buch geweckt. Herr Polleit, vielen Dank für das Gespräch!
…
Weitere Infos zum Buch und eine Bestellmöglichkeit: hier.
Gespräch zwischen Beatrix von Storch und Prof. Polleit:
hier.
Seit April 2012 ist Dr. Thorsten Polleit (geb. 1967) Chefvolkswirt der Degussa, Europas größtem Edelmetallhandelshaus. Davor war er 15 Jahre im internationalen Investment-Banking tätig. Seit 2014 ist er Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Thorsten Polleit ist Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland und Fellow am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama. 2012 erhielt er den The O.P. Alford III Prize in Political Economy. Zudem ist Thorsten Polleit Mitgründer eines 2012 aufgelegten Alternative Investment Fund. Seine private Website ist www.thorsten-polleit.com.


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