Die grüne Bundestagsabgeordnete Emilia Fester wusste in einem Interview nicht, dass Bismarck deutscher Reichskanzler war.
Annalena Baerbock sprach davon, dass man im 19. Jahrhundert Krieg mit Panzern führte.
Wie wenig dürfen Volksvertreter in der Politik über Geschichte wissen?
Ist der schlechte Geschichtsunterricht an deutschen Schulen für die Bildungsmisere mitverantwortlich?
Ideologie statt Geschichtswissen
Wer sich in Geschichte nicht auskennt oder sich nur bedingt dafür interessiert, wird vielleicht den Sinn des Unterrichts in Zweifel ziehen und ihn stattdessen mit aktuellen Themen überfrachten wollen, die vor allem ideologisch geprägt sind.
Tatsächlich war es nicht nur ein Phänomen des Dritten Reiches und der DDR, dass die Kinder im Geschichtsunterricht hauptsächlich mit Ideologie indoktriniert wurden.
Der Geschichtsunterricht ist nie frei von Ideologie. Aber das Ausmaß kann sehr unterschiedlich sein.
Heute leben wir in einer Zeit, in welcher der Geschichtsunterricht wieder stärker von ideologischen Themen geprägt ist als vom Faktenwissen und Hintergrundverständnis.
Beispiel: Alte Geschichte
Der Autor dieser Zeilen wunderte sich über den Geschichtsunterricht seiner Kinder. Als die Themen altes Griechenland und antikes Rom behandelt wurden, kamen Erwartungen auf.
Zu Griechenland: Wurde über die Odyssee und Ilias gesprochen? Über den Trojanischen Krieg? Über die Mykenische Kultur? Über die Minoer? Über die Spiele in Olympia? Über die attische Demokratie? Über Perikles? Über die Perserkriege? Über Sparta? Über griechische Mythologie? Über Sokrates und Aristoteles? Über den Peloponnesischen Krieg? Über Alexander den Großen? Über den Hellenismus?
Nein, nichts dergleichen.
Zu Rom: Wurde über die Punischen Kriege gesprochen? Über Hannibal? Über die römische Republik und ihre Verfassung? Die römische Ämterlaufbahn (Cursus Honorum)? Über Julius Caeser? Über den Bürgerkrieg? Über die römischen Kaiser? Über die römische Architektur? Über die Legionen, das Militär? Über die Spaltung des Römerreiches in Westrom und Ostrom? Über Byzanz?
Nein, nichts dergleichen.
Was wurde denn behandelt?
Antwort: Die Rolle der Frau im alten Athen. Die Rolle der Sklaverei im alten Rom. Und das natürlich aus moderner ideologischer Perspektive.
So armselig wie das Altertum wurde auch das Mittelalter behandelt. Junge Menschen in Deutschland wissen fast nichts über die tausendjährige Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Vom Dreißigjährigen Krieg wissen die Schüler nur, dass er dreißig Jahre dauerte.
Die einzigen Themen, die ausführlich behandelt wurden sind die französische Revolution, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die Geschichte der EU.
Falsche Methodik im Unterricht zerstört das Interesse der Schüler
Oberstes Gebot einer guten Geschichtsdidaktik sollte sein: Wecke zuerst das Interesse! Jede Geschichtsdokumentation im Fernsehen versucht zunächst, das Interesse der Zuschauer mit spannenden Fragen zu wecken.
Doch im modernen Geschichtsunterricht ist Langeweile angesagt. Denn die Schüler werden nicht mit spannenden Fakten konfrontiert, um ein erstes chronologisches Gerüst aufzubauen. Stattdessen gibt es Textinterpretationen wie im Deutschunterricht. Das heißt: Sie müssen Quellen analysieren ohne ausreichende historische Grundkenntnisse zu haben. Die bleiben auf der Strecke.
Viele Schüler sind schockiert, weil es im Geschichtsunterricht schlechte Noten gibt, obwohl sie vielleicht interessiert sind und sich ein großes Wissen angelesen haben. Doch das ist nicht gefragt. In der Klausur wird ihnen ein Text vorgelegt, den sie wie im Deutschunterricht interpretieren sollen. Das ist die Aufgabe von Historikern mit Vorkenntnissen, nicht von Schülern der Mittelstufe, die noch keinen ausreichenden Grundkenntnisse haben.
Wer die Deutungshoheit über die Vergangenheit innehat, kontrolliert die Gegenwart und Zukunft
Der Geschichtsunterricht ist komplett auf ideologische Erziehung ausgelegt. In Berlin ist es besonders schlimm.
Wirkliches Geschichtsverständnis wird oftmals nur noch an humanistischen Gymnasien vermittelt, und dort vor allem im Latein- und Griechischunterricht.
Geschichte wird in den meisten Schulen vernachlässigt.
Und so kann man sich über manche Bildungslücken unserer Politiker nicht mehr wundern...


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