Früher war ein Abitur die Eintrittskarte in die akademische Karrierewelt. Noch in den 1950er Jahren machten lediglich rund fünf Prozent eines Jahrgangs die Reifeprüfung für die Universität. Um 1960 lag der Anteil der Schulabgänger mit Abitur bei rund sieben Prozent, 1970 bei etwa 11 Prozent.
Und heute? Rund 53 Prozent der Schüler eines Jahrgangs haben 2015 ein Abitur gemacht. Damit ist klar: Ein Abitur ist heute weniger wert als vor 50 Jahren. Und weiterhin ist klar: Abi ist nicht gleich Abi. Denn von Bundesland zu Bundesland sind die Ansprüche unterschiedlich. In vielen Bundesländern wechselt es sogar von Schule zu Schule. Zusammengefasst kann man sagen: Je nach Bundesland, Schule und Fächerkombination ist ein Abitur unterschiedlich wert. Ein Abi mit 1,5 mit den Leistungsfächern Mathematik und Physik oder Latein und Altgriechisch in Bayern ist anders zu werten als ein Abi mit den Leistungsfächern Sport und Gemeinschaftskunde in Hessen oder Bremen.
Auch die Art der Bewertungen scheint zu variieren. An manchen Schulen werden Einser-Noten reichlich vergeben, an anderen Schulen bleiben diese Noten nur den Allerbesten vorbehalten. Die Abiturnote hat also nicht allzu viel zu sagen. Daher achten immer mehr Arbeitgeber auch auf andere Aspekte der Bewerbung. Lediglich beim Numerus Clausus stark nachgefragter Universitätsfächer kommt es nochmal auf die Abi-Note an.
Wie »Welt« und »RP-Online« berichteten, hat eine Umfrage ergeben, dass es in den letzten Jahren einen Sprung in den Noten gegeben hat. In Thüringen sollen mittlerweile fast 38 Prozent der Abiturienten eine Eins vor dem Komma haben.
Für die Universitäten und Hochschulen ist dies ein Grund zur Sorge. denn das Abitur soll ja der Nachweis sein, der zum Studium befähigt. Damit sind gewisse Ansprüche verbunden. Wenn dieses Niveau sinkt, müssen die Universitäten und Hochschulen die Bildungslücken auffangen. Doch dafür gibt es keine ausreichenden Kapazitäten.


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