Deutsche Medizinversorgung Opfer der Spar-Globalisierung

Indien stoppt Medikamentenexporte, und Deutschland hat das Nachsehen

In Deutschland wurden große Teile der Pharmaproduktion ins Ausland verlegt, um Kosten zu sparen. Jetzt drohen Lieferengpässe. Deutschland hat in der Coronavirus-Krise das Nachsehen, weil die Produktionsländer in der Krise die Pharmazeutika für sich behalten wollen.

»Geiz ist geil« — für diese Mentalität im Gesundheitssystem werde Deutschland nun teuer bezahlen. Schon in der jüngsten ARD-Sendung »Hart aber fair« kritisierte der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Joachim Kugler von der TU Dresden die Gesundheitspolitik und die Sparmaßnahmen der Pharmaindustrie scharf. Deutschland sei in den 1970er Jahren noch die Apotheke der Welt gewesen. Doch dann wurden immer größere Teile der Produktion ins Ausland verlagert. Insbesondere in Länder der Dritten Welt, wo die Umweltstandards nicht eingehalten werden.

In der Sendung wurde kritisiert, dass es nun für viele medizinische Präparate keine großen Vorräte gibt. Man sei immer von kurzen Lieferketten ausgegangen. Im Notfall, so die Spar-Ideologie, könne man schnell nachbestellen.

Doch was ist bei einer globalen Pandemie, wenn die anderen Länder die Medikamente für sich zurückbehalten? Und wenn Deutschlands Vorräte schnell aufgebraucht sind?

Kaum ausgesprochen, schon eingetroffen: Tatsächlich hat Indien jetzt den Export vieler wichtiger Pharmazeutika eingeschränkt oder gestoppt. Antibiotika, Paracetamol und Vitaminpräparate und andere Wirkstoffe werden wegen des Coronavirus nicht mehr exportiert [siehe Bericht »Tagesschau.de«]. Die indische Regierung will mit diesem Schritt offenbar die Versorgung im eigenen Land sicherstellen, heißt es.

In Deutschland wird nun mit Engpässen gerechnet. Auch bei Pharmazeutika aus China wird es Engpässe geben. Denn die Chinesen brauchen aus bekannten Gründen alle für die Bekämpfung des Coronavirus nötigen Präparate selber.

So wie mit den Pharmazeutika, sieht es auch mit den Atemmasken und Desinfektionsmitteln aus. In der obig zitierten ARD-Sendung »Hart aber fair« zeigte sich der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, empört, dass es zu wenig Vorräte dieser wichtigen Utensilien gebe. Das dürfe in Zukunft nie wieder passieren. Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken müssen in Deutschland für alle Notfälle in ausreichenden Mengen vorhanden sein, propagierte er. Recht hat er. Allein: Für die aktuelle Coronavirus-Krise kommt diese Erkenntnis zu spät.

Aktualisierung: Auch die FAZ berichtet mittlerweile darüber HIER.

 

 

Sven von Storch

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