Die Idee einer globalen Konsens-Regierung, in der eine international vernetzte Elite die Einzelstaaten auf ideologische Linie bringt, ist grandios gescheitert. Selbst der Chef der weltweit größten Schattenbank BlackRock, Larry Fink, erkennt nun den Prozess der einheitlichen Globalisierung, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einsetzte und drei Jahrzehnte von den USA geführt andauerte, für beendet.
Das zeigt sich aktuell wie durch den Fokus eines Brennglases:
Die zwei größten Nationen der Welt, China (1,4 Milliarden Einwohner) und Indien (1,3 Milliarden Einwohner), sind weiterhin gegen die Russland-Sanktionen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow konnte bei seinen Besuchen in den beiden Ländern sich deren Freundschaft versichern.
Zwar tun Indien und China nichts, um den Westen bei der Sanktionierung Russlands zu sabotieren, aber sie Verhängen ihrerseits keine Sanktionen. Und sie verurteilen Russland nicht. Im Gegenteil: Das flächenmäßig größte und an Ressourcen/Rohstoffen reichste Land der Erde (Russland) rückt mit den zwei einwohnerstärksten Staaten der Welt (China, Indien) enger zusammen. Viele kleinere Länder Asiens, von der Mongolei bis zum Iran, schließen sich dieser Tendenz an.
China, Indien und Russland planen zudem, ihre Bezahlsysteme vom SWIFT-System zu emanzipieren. China hat bereits Alternativen, Russland und Indien planen ebensolche. Es wächst wirtschaftlich, geopolitisch und geostrategisch zusammen, was auch geographisch zusammengehört: Kontinental-Asien.
Damit trägt der US/EU-geführte Westen mit seiner Politik der Sanktionen und Isolierungen zur Blockbildung bei. Der Iran begrüßt die Entwicklung. Je mehr Länder im Boot der vom Westen geächteten sitzen, desto stärker ist deren Block. An Ressourcen und Einwohnern ist dieser Block dem Westen schon jetzt haushoch überlegen. Und wenn China seine technologischen Initiativen vorantreibt, wird Peking am Ende von der westlichen Außenpolitik profitieren: Es wird Führungsmacht des neuen Blocks werden.
Dabei muss China gar nicht mal aktiv im Politik-Getrommel mitmischen: Die Gravitation der Ereignisse treibt die Länder in die offenen Arme des ostasiatischen Riesenreiches. So kann China jetzt relativ neutral tun. Der chinesische Außenminister Wang Yi erklärte: »Wir sind gegen Sanktionen. Die Auswirkungen dieser Sanktionen könnten auch auf den Rest der Welt übergreifen.« Wang forderte, dass Chinas normaler Handel mit Russland »nicht beeinträchtigt werden sollte«. Zum Wohle der Weltwirtschaft müsse es darum gehen, »eine mögliche Unterbrechung der Liefer- und Industrieketten zu vermeiden«.
Eine Unterbrechung der Liefer- und Industrieketten erlebt zurzeit vor allem Europa. Damit zeichnet sich auch der große Verlierer der ganzen Entwicklung ab. Europa wird in seiner Bedeutung weiter zurückfallen. Asien gegen Amerika: Das ist die Zukunft. Die Europäer sind das Museum am anderen Ende der Welt.


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