Beispiel Kenia: Maßnahmen nur auf dem Papier

Afrika kommt ohne Lockdown und Impfpflicht aus

Während die Industrieländer ihre Bevölkerung mit Lockdowns, Maßnahmen und Impfpflicht drangsalieren, scheint Corona in großen Teilen Afrikas kaum Auswirkungen zu haben. Die Corona-Wellen sind einfach wie Grippe-Wellen durch das Land gegangen.

Wenn in Bezug auf Corona aus Afrika berichtet wird, dann werden meisten Informationen aus Südafrika gebracht. Doch dieses Land ist ein weitgehend westlich-moderner Industriestaat. Was ist mit dem Rest Afrikas? Wo bleiben die Horrormeldungen? Wo wird von Lockdowns und Impfpflicht berichtet? Das alles ist größtenteils ausgeblieben.

Im »Spiegel« wurde zum Beispiel über die Entwicklung in Kenia berichtet. Dort flacht die sogenannte Omikron-Welle bereits wieder ab. Einen Lockdown gab es nicht. Es gab auch keine Impfpflicht. Maßnahmen gab es weitgehend nur auf dem Papier, sie wurden nicht umgesetzt. Die Impfquote ist sehr gering. Trotzdem blieb die Katastrophe aus. Das Leben gibt größtenteils weiter wie bisher. Was war geschehen?

Während der ersten Wellen gab es tatsächlich viele ernste Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Es wurde berichtet, dass in der Hauptstadt Nairobi die geeigneten Intensivbetten knapp wurden. Allerdings muss man hier berücksichtigen, dass Kenias Gesundheitssystem nicht so ausgestattet ist wie in Zentraleuropa. Die Corona-Wellen rollten zwar durch das Land. Doch die arme Bevölkerung hat kein Geld für teure Tests. Arbeitsausfall wegen Quarantäne kann sich niemand leisten. Also haben viele Kenianer einfach erklärt, sie hätten die Grippe oder eine Erkältung. Und so gingen die »Grippe- und Erkältungswellen« durch das Land.

Dass es sich in der Tat im Corona-Wellen handelte, weiß man durch die Tests und Behandlungen der reichen Oberschicht und städtischen Mittelschicht. Die können sich PCR-Tests und Behandlungen leisten und sind schneller zum Arzt gegangen. Zwischen Weihnachten und Silvester sollen rund 70 Prozent der Tests positiv gewesen sein.

Jetzt ist die aktuelle Omikron-Welle wieder abgeflacht, ohne das es zu einer Katastrophe oder zu einem Massensterben gekommen ist. Man geht davon aus, dass durch die ersten Wellen der »Durchseuchungsgrad« bereits so groß ist, dass ein Großteil der Bevölkerung weitgehende Immunität entwickelt hat und bei neuen Wellen allenfalls milde Symptome bekommt.

Gab es keine Maßnahmen seitens der Regierung? Doch: Eigentlich hatte die Regierung in Kenia eine Quasi-1G-Regel beschlossen. Nur Geimpften sollte es erlaubt sein, Bereiche des öffentlichen Lebens inklusive Restaurants, Supermärkte und Nahverkehr zu nutzen. Doch die Crux ist: Niemand hat sich daran gehalten. Die Maßnahmen wurden weder überprüft noch durchgesetzt. Das Land ist zu arm, um sich einen Stopp des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens zu leisten.

So wie in Kenia ist es in vielen afrikanischen Ländern gegangen. Es gingen hier und da quasi »Grippe- und Erkältungswellen« durch die Städte und Landstriche, die wieder abebbten. Und dann ging es normal weiter. Jetzt sind viele genesen, oftmals ohne es zu wissen, und für weitere Wellen gut geschützt.

Und Europa wundert man sich, warum es so wenig Corona-Nachrichten aus Afrika gibt.

Sven von Storch

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