Freie Welt: Herr von Storch, mit dem sogenannten Selbstbestimmungsgesetz soll jeder selbst festlegen, welches Geschlecht er hat, ob männlich, weiblich oder gar nichts. Das klingt auf dem ersten Blick harmlos.
Sven von Storch: Die größte Gefahr dieser vermeintlichen Freiheit durch sogenannte Selbstbestimmung liegt in ihrem missbräuchlichen Potential. Stellen Sie sich vor: Ein kleiner Junge im Kindergartenalter bekommt einen Mädchennamen und wird in allen Urkunden als Mädchen geführt. Seine gender-ideologisch indoktrinierten Eltern können ihn so als Mädchen erziehen und Mädchenkleider tragen lassen – und das unterstützt und gefördert von staatlichen Behörden. Möglich macht das das neue Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung. Die fordert die Bürger damit quasi zum Missbrauch und zum Lügen auf.
Freie Welt: Zum Lügen? Wie meinen Sie das?
Sven von Storch: Ich meine das sogenannte Offenbarungsverbot, zu dem das Gesetz die Bürger verpflichtet. Faktisch wird damit eine Pflicht zur Lüge eingeführt: Wer die Änderung des Geschlechtseintrages einer Person benennt und die Wahrheit über das »frühere« Geschlecht sagt, soll mit bis zu 10.000 Euro bestraft werden. Dass das Aussprechen der Wahrheit unter Strafe steht, kennen wir sonst nur aus totalitären Staaten wie Nordkorea.
Besonders pikant ist die Tatsache, dass der Staat es dem gemeinwohlschädigenden Denunziantentum besonders leicht macht. Dafür sorgen sogenannte Meldestellen. Praktisch mit drei Sätzen und einem Mausklick kann jeder jeden anonym anschwärzen, wenn er sich irgendwie beleidigt oder »diskriminiert« fühlt.
Freie Welt: Sie sagen, das »Selbstbestimmungsgesetz« würde eine Vielzahl von Folgeproblemen produzieren, die man heute noch gar nicht absehen kann.
Sven von Storch: Viele Minderjährige haben Phasen, in denen sie mit dem eigenen Selbstbild fremdeln. Denen bietet die Ampel nun als vermeintlichen Problemlöser den vereinfachten Geschlechtswechsel, den Kinder ab 14 Jahren gerichtlich gegen den Willen der Eltern durchsetzen können. Das ist schlichtweg gemeingefährlicher Irrsinn. Es wird grundstürzend sein für das Gefüge der Familien und mithin unserer Gesellschaft. Der linksgrüne Fetisch der »Selbstbestimmung« wird unermessliches Leid in die Familien bringen. Und deshalb müssen wir dieses Gesetz stoppen.
Freie Welt: Wie wollen Sie das schaffen?
Sven von Storch: Der Entwurf des »Selbstbestimmungsgesetzes« umfasst 73 Seiten und 15 Paragraphen. Das Gesetz hat Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Verwaltung und der Familiengesetze: Auf das Passgesetz, das Bundesmeldegesetz, das Personenstandsgesetz, auf die Personenstandsverordnungen, auf das Bundeszentralregistergesetz… das ist keine abschließende Liste. Wenn Sie mich fragen, wird dieses irrsinnige Konstrukt alleine schon am gigantischen Verwaltungsaufwand scheitern, den es produziert. Die Behörden sind jetzt schon am Limit dank der irrsinnigen Bürokratisierung bei gleichzeitigem Fachkräftemangel.
Hoffnungsvoll stimmt mich aber eine andere Tatsache: Ursprünglich wollte die Ampel das Gesetz gleich nach der Sommerpause verabschieden. Jetzt gehen wir schon stramm auf Weihnachten zu und es ist nichts passiert. Ohne den riesigen Protest und Widerstand der Bürger wäre das Gendergesetz schon längst durch den Bundestag gepeitscht worden. Aber im Moment sieht es so aus, dass das Gesetz in der radikalen Form wie es SPD und Grüne wollen, nicht mehr kommt.
Freie Welt: Herr von Storch, wir danken Ihnen für das Interview


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