Manche bedeutende historische Gebäude sind so sehr im Bewusstsein vieler Menschen verankert, dass ihre Beschädigung oder gar Zerstörung einem das Herz bluten lässt, als würde man einen Freund verlieren.
Gestern Abend hielt ein großes Feuer die französische Nation in Atem. »Notre Dame de Paris« brannte lichterloh [siehe Berichte »Spiegel-Online«, »t-online«, »Merkur.de«, »SWP«]. Der Schaden ist immens. Der Mittelturm ist eingestürzt. Das Dach völlig niedergebrannt. Die ganze Nacht haben die Feuerwehrleute versucht, zu retten, was zu retten ist. Die ganze Nation verfolgte fiebernd ihren Rettungskampf.
Die Kathedrale von Notre-Dame ist das mittelalterliche Wahrzeichen von Paris, ein Meisterwerk der sakralen Baukunst, das seit dem 12. Jahrhundert über Jahrhunderte erbaut und gewachsen ist und immer wieder aufs Neue restauriert und renoviert wurde. Auch jetzt hatte es in der Kathedrale Renovierungsarbeiten gegeben. Manche vermuten, dass hier der Ursprung des Feuers zu vermuten ist. Ein Kurzschluss? Andere vermuten einen Terroranschlag. Doch dafür gibt es derzeit keine Belege oder Hinweise.
Es gibt Bauten, die Teil unserer kollektiven Erinnerung und Identität geworden sind. Die großen mittelalterlichen Kathedralen wie beispielsweise Notre Dame de Paris, das Straßburger Münster, der Dom zu Speyer oder der Kölner Dom sind Symbole der abendländischen Zivilisation und der europäischen Christenheit. Sie zu schützen und zu erhalten muss immer eine wichtige Aufgabe für jede neue Generation sein. Denn mit den Erinnerungsorten würde auch die Erinnerung verschwinden, und mit der Erinnerung würden wir unsere Identität verlieren, wie ein Mensch, der durch einen Unfall sein Gedächtnis verloren hat.


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