Am Montag empfing Papst Leo XIV. den emeritierten Kurienkardinal Robert Sarah zu einer privaten Audienz – die erste offizielle Begegnung seit der Wahl des Papstes im Mai. Über den Gesprächsinhalt äußerte sich der Vatikan wie üblich nicht. Dennoch wird das Treffen in kirchlichen Kreisen aufmerksam registriert: Sarah gilt als einer der profiliertesten Stimmen für liturgische und theologische Erneuerung aus dem Geist der Tradition. Das berichtet Edward Pentin.
Schon zuvor hatte der guineische Kardinal in einem Interview erklärt, er blicke mit »großem Vertrauen« auf das Pontifikat Leos XIV. Dieser bringe, so Sarah, »die unverzichtbare Zentralität Christi« zurück ins Zentrum. Ohne Christus, betonte er, könne die Kirche weder Frieden stiften, noch Seelen retten oder ihre eigene Sendung erfüllen.
Besonders hob Sarah die »evangelische Wachheit« und den »Geist des Zuhörens und des Dialogs« des Papstes hervor. Gleichzeitig lobte er dessen »vorsichtige Rücksicht auf die Tradition«. Nur in der lebendigen Weitergabe der Offenbarung könne die Kirche bestehen – in voller Kontinuität mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
In einer bemerkenswerten Passage stellte Sarah die Frage, ob ein Ritus, der über tausend Jahre alt sei, überhaupt »verboten« werden könne. Damit spielte er deutlich auf die massiven Einschränkungen des überlieferten Ritus unter Papst Franziskus an. Wenn Liturgie Quelle der Theologie sei, so Sarah, könne der Zugang zu diesen Quellen nicht untersagt werden – so wenig wie man das Studium des heiligen Augustinus verbieten könne.
Das Treffen zwischen Papst Leo XIV. und Kardinal Sarah wird damit zu einem symbolträchtigen Signal. Beide betonen, dass wahre Erneuerung der Kirche nicht im Bruch, sondern in der Rückbindung an Christus und die lebendige Tradition liegt. Ein Kurs, der nicht nur Theologen, sondern auch viele Gläubige aufatmen lässt.


Add new comment