Georgien nach den Kommunalwahlen:

Georgien: Regierungssieg und westlich unterstützte Unruhen in Tiflis

Während »Georgischer Traum« ihre Dominanz durch den Wahlsieg festigt, stehen die Proteste im Schatten internationaler Kontroversen. 
 

Screenshot YouTube/Al-Jazeera

Regierungspartei triumphiert bei niedriger Wahlbeteiligung

Die Kommunalwahlen in Georgien sind abgeschlossen, und die regierende Partei »Georgischer Traum – Demokratisches Georgien« hat einen überwältigenden Sieg errungen. Nach Auszählung von über 74 % der Stimmen sichert sich die Partei mehr als 80 % der Stimmen, während die Oppositionsparteien »Starkes Georgien« (6,8 %) und »Gakharia für Georgien« (3,8 %) deutlich abgeschlagen sind. In Tiflis festigt Bürgermeisterkandidat Kacha Kaladse die Dominanz seiner Partei mit 71,588 % der Stimmen nach Auszählung von 99,4 % der Wahllokale. Die Wahlbeteiligung lag laut der Zentralen Wahlkommission bei lediglich 33,5 %, was auf eine geringe Mobilisierung der Bevölkerung hindeutet.

Westlich unterstützte Proteste nach „Maidan-Methoden“

Die Opposition akzeptiert die Wahlergebnisse nicht und rief in Tiflis zu Protesten gegen die Organisation der Wahlen auf. Diese Proteste, die nach Ansicht von Beobachter Leonid Sluzki von westlichen Ländern unterstützt werden und nach »Maidan-Methoden« ablaufen, eskalierten schnell. Demonstranten stürmten den Hof des Präsidentenpalastes, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei führte, die Pfefferspray und Wasserwerfer einsetzte. Das georgische Innenministerium meldete zunächst 14 verletzte Polizisten, später korrigierte das Gesundheitsministerium die Zahl auf 21. Auch ein Filmteam des Senders „Imedi“ wurde angegriffen, wobei ein Journalist und ein Kameramann verletzt wurden. Sluzki betonte, dass diese Proteste die Meinung der Mehrheit der georgischen Bürger nicht beeinflussen werden, da sie als fremdgesteuerte Aktionen wahrgenommen werden.

Regierung spricht von kriminellem Staatsstreich

Premierminister Kobachidse verurteilte die Proteste scharf und erklärte, die Teilnehmer des Sturms auf den Präsidentenpalast hätten eine Straftat begangen und würden zur Rechenschaft gezogen. Tiflis’ Bürgermeister Kacha Kaladse ging weiter und bezeichnete die Aktionen als Versuch eines Staatsstreichs. Besonders brisant ist die Kritik an der internationalen Gemeinschaft: Kobachidse machte den EU-Botschafter in Tiflis, Pawel Gerchinski, für die Unruhen mitverantwortlich und warf ihm eine »besondere Verantwortung« vor. Die Festnahme des Oppositionspolitikers Zodelava, der die Demonstranten zur Präsidentenresidenz geführt hatte, unterstreicht die harte Linie der Regierung gegen die Protestbewegung.

Einfluss westlicher Akteure in der Kritik

Die Behauptung, dass die Proteste nach »Maidan-Methoden« organisiert seien, verweist auf eine gezielte Einflussnahme westlicher Länder, die laut Sluzki und der Regierung darauf abzielt, die politische Stabilität Georgiens zu untergraben. Die Demonstranten haben inzwischen das Gebiet nahe dem Präsidentenpalast verlassen, doch die Vorwürfe einer westlich orchestrierten Destabilisierungskampagne prägen die Debatte. Die Regierung sieht sich in ihrer Machtposition bestätigt, während die Opposition mit dem Vorwurf konfrontiert ist, als Werkzeug externer Interessen zu agieren.

Georgien vor einer polarisierten Zukunft

Die Ereignisse in Tiflis verdeutlichen die tiefe Spaltung im Land, die durch den Vorwurf westlicher Einmischung noch verschärft wird. Während »Georgischer Traum« ihre Dominanz durch den Wahlsieg festigt, stehen die Proteste im Schatten internationaler Kontroversen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Opposition ihre Basis mobilisieren kann oder ob die Narrative von »Maidan-Methoden« und westlicher Unterstützung die öffentliche Meinung weiter prägen. Georgien steht vor der Herausforderung, politische Stabilität zu wahren, während externe Einflüsse die Spannungen im Land verschärfen.

Sven von Storch

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