Zu geringer Wiederverkaufswert

E-Autos auf dem Gebrauchtwagen-Markt weiterhin unbeliebt

Das größte Problem der E-Autos ist der geringe Wiederverkaufswert bei Gebrauchtwagen. Auf dem Gebrauchtwagen-Markt vertrauen die Kunden lieber Autos mit Verbrennungsrmotoren.

Foto: Pixabay

Während einige neue E-Autos durch Förderungen an Boden gewinnen, bleiben gebrauchte Modelle hinter Verbrennern deutlich zurück. Die Nachfrage ist sehr schwach, die Standzeiten lang, und der Wiederverkaufswert schmilzt rapide dahin.

Experten sehen hier ein systemisches Problem: Technischer Fortschritt, Bedenken der Käufer und fehlende Anreize bremsen den Markt.

Schwache Nachfrage: Reichweitenangst und Vorbehalte bremsen Käufer

Trotz eines wachsenden Angebots an gebrauchten E-Autos – im Jahr 2023 wurden rund 97.000 Stück verkauft – bleibt die Nachfrage verhalten. Laut einer Studie des Portals mobile.de kann sich fast jeder Zweite einen gebrauchten Verbrenner vorstellen, nur jeder Fünfte zieht ein gebrauchtes E-Auto in Betracht.

Der Grund: Tiefe Vorbehalte bei potenziellen Käufern. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt, dass hohe Anschaffungskosten, Sorge um die Reichweite und Zweifel an der Umweltfreundlichkeit die größten Hürden darstellen.

Besonders die »Reichweitenangst« belastet den Markt: Viele Deutsche fürchten, dass gebrauchte Batterien die Leistung einbüßen, was bei Verbrennern kein Thema ist.

Zudem fehlt es an Vertrauen in die Ladeinfrastruktur. In ländlichen Regionen oder bei Mieterhaushalten ohne Wallbox ist das Aufladen umständlich, was den Einstieg erschwert.

Eine HUK-Coburg-Studie unterstreicht dies: Nur vier Prozent der Privatkäufer wechseln von Verbrennern zu E-Autos um, und 34 Prozent der E-Auto-Besitzer steigen 2024 wieder auf Verbrenner um [siehe Bericht »auto-motor-und-sport.de«]. Zum Vergleich: Gebrauchte Verbrenner verkaufen sich doppelt so schnell – nach durchschnittlich 55 Tagen statt 73 bei E-Autos [siehe Bericht »rundschau-online.de«].

Hoher Wertverlust: Technischer Fortschritt frisst den Restwert

Der Wiederverkaufswert gebrauchter E-Autos ist ein rotes Tuch. Nach Daten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) behalten dreijährige Elektroautos nur noch 50,3 Prozent ihres Neupreises – ein Rückgang von 61,5 Prozent Anfang 2023 [siehe Bericht »car-editors.net«].

Topmodelle verlieren im ersten Jahr bis zu 40 Prozent, während Verbrenner nur 10 bis 12 Prozentpunkte weniger einbüßen, berichtet »Stern«.

Ein Grund ist der schenlle technologische Fortschritt. Neue Modelle bieten längere Reichweiten und schnellere Ladezeiten, was ältere Varianten obsolet macht. Hinzu kommt der Effekt des ausgelaufenen Umweltbonus: Die Förderung von bis zu 9.000 Euro für Neuwagen verringerte den Preisabstand zu Gebrauchten und trieb den Wertverlust weiter an.

Laut Autoscout24 sind Preise für gebrauchte E-Autos um 26 Prozent gesunken, während Diesel stabil bleiben. Für die 524.000 neu zugelassenen E-Autos 2023 schätzt die Beratung Berylls einen Gesamtverlust von fast drei Milliarden Euro. Luxusmodelle wie der Mercedes EQE oder Audi e-tron leiden besonders, da Käufer Neuwagen mit Rabatten bevorzugen.

Leasing als Ausweg: Flexibilität statt Eigentum

Angesichts der Unsicherheiten wählen vier Mal so viele Käufer bei E-Autos das Leasing statt des Kaufs – im Gegensatz zu Verbrennern. Der Leasingfaktor liegt oft unter eins: Für weniger Geld mehr Auto, und nach zwei bis drei Jahren gibt man es zurück, ohne Wertverluste zu tragen. Dies erklärt auch die Flut an Leasingrückläufern, die den Gebrauchtmarkt fluten und Preise drücken.

Dennoch: Leasing verstärkt das Problem, da es den Einstieg in den Gebrauchtmarkt behindert. Viele Modelle enden in Flotten oder werden exportiert, etwa in die Skandinavien, wo die Nachfrage höher ist.

 

Sven von Storch

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