Pakistan erklärt Afghanistan den „offenen Krieg“

Operation „Ghazab Lil Haqq“ – Luftschläge auf Kabul und Kandahar markieren gefährliche Eskalation entlang der Durand-Linie

Zwischen Pakistan und Afghanistan ist ein offener militärischer Konflikt ausgebrochen. Nach massiven Luftangriffen auf Kabul, Kandahar und weitere Provinzen erklärte Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Mohammad Asif offiziell den Zustand des „offenen Krieges“. 

Operation „Ghazab Lil Haqq“: Luftschläge auf Kabul, Kandahar und Grenzgefechte – Taliban und Pakistan liefern sich offene Eskalation


Die Eskalation folgt auf grenzüberschreitende Gefechte, Artillerieduelle und Drohnenangriffe entlang der 2.611 Kilometer langen, umstrittenen Durand-Linie, wie The Guardian berichtet.

Was sich seit Donnerstagabend entwickelte, trägt alle Merkmale einer koordinierten militärischen Großoperation – mit widersprüchlichen Verlustzahlen, strategischen Zielen tief im Hinterland und wachsender regionaler Brisanz.

Auslöser: Taliban-Angriff auf pakistanische Grenzstellungen

Am Donnerstag gegen 20 Uhr Ortszeit eröffneten Taliban-Einheiten aus Afghanistan das Feuer auf mehrere pakistanische Grenzposten in der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Besonders betroffen waren die Bezirke Bajaur und Kurram.

Nach Angaben aus Bajaur schlugen Mörsergranaten im Dorf Bara Lagharai im Distrikt Mahmund ein. Mindestens zwei Zivilisten kamen ums Leben, sechs weitere wurden verletzt. Der stellvertretende Kommissar von Bajaur, Shahid Ali, bestätigte, dass fünf Artilleriesalven aus Afghanistan zivile Häuser trafen.

Kabul erklärte den Angriff als Vergeltung für pakistanische Luftschläge vom vergangenen Sonntag, bei denen nach afghanischen Angaben mindestens 18 Menschen getötet worden seien. Pakistan hingegen erklärte, Ziel der Angriffe seien Stellungen der verbotenen Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) gewesen.

Pakistan startet Großoffensive „Ghazab Lil Haqq“

Als Reaktion leitete Islamabad am Freitagmorgen eine umfassende militärische Operation mit dem Namen „Ghazab Lil Haqq“ („Gerechter Zorn“) ein.

Pakistans Luftwaffe griff strategische Ziele in Kabul, Paktia und Kandahar an – letzteres gilt als spirituelles Machtzentrum der Taliban und Sitz ihres Führers Hibatullah Akhundzada.

Augenzeugen berichteten von mindestens drei Explosionen in Kabul. Kampfjets kreisten bis in die frühen Morgenstunden über der Stadt. Auch in Kandahar und Nangarhar wurden Explosionen gemeldet. Taliban-Behörden erklärten später, pakistanische Aufklärungsflugzeuge seien weiterhin im afghanischen Luftraum aktiv.

Ein Bewohner des wohlhabenden Kabuler Viertels Wazir Akbar Khan – in unmittelbarer Nähe von Taliban-Verwaltungsgebäuden – schilderte:

„Die Explosion war gewaltig. Danach folgten Schüsse. Wir blieben aus Angst im Haus. Niemand durfte in das Gebiet. Die Taliban-Medien sagten, es gebe keine Opfer.“

Dramatisch widersprüchliche Verlustzahlen

Die Angaben beider Seiten gehen weit auseinander:

Pakistanische Angaben:

133 getötete Taliban-Funktionäre in Kabul, Paktia und Kandahar

Mehr als 200 Verletzte

Insgesamt über 300 getötete afghanische Kräfte seit Donnerstag

102 zerstörte afghanische Posten

22 eroberte Stellungen

163 zerstörte Panzer und gepanzerte Fahrzeuge an 37 Standorten

Afghanische Angaben:

55 getötete pakistanische Soldaten

19 zerstörte pakistanische Militärposten

2 zerstörte Militärbasen

Mehrere pakistanische Soldaten lebend gefangen genommen

Eigene Verluste: 8 bis 13 getötete Soldaten, 11 bis 22 Verwundete

Der afghanische Regierungssprecher Zabiullah Mujahid erklärte, Pakistans Zahlen seien „unwahr“.

Unabhängige Bestätigungen sind aufgrund der schwer zugänglichen Grenzregionen nicht möglich, wie die AP Agentur berichtet.

Drohnenangriffe markieren neue Eskalationsstufe

Besonders brisant ist der Einsatz afghanischer Drohnen. Ein pakistanischer Offizier bestätigte, dass Drohnen Ziele tief im pakistanischen Hinterland angriffen, darunter eine Artillerieschule in Nowshera sowie eine Militärakademie in Abbottabad.

Pakistan erklärte, alle Drohnen seien abgefangen worden. Dennoch zeigt die Fähigkeit der Taliban, militärische Ziele im Landesinneren anzugreifen, eine neue Qualität asymmetrischer Kriegsführung.

Militäranalysten weisen darauf hin, dass modifizierte handelsübliche Drohnen mit Sprengladungen für Guerillakräfte ein effektives Instrument darstellen.

Kämpfe in Torkham und Nangarhar

In der ostafghanischen Provinz Nangarhar dauern Gefechte im Grenzgebiet Torkham an. Afghanische Behörden berichten von pakistanischem Mörserbeschuss, der zivile Gebiete sowie ein Flüchtlingslager traf. Mindestens 12 Menschen seien getötet worden.

Pakistan wiederum meldet die Flucht hunderter Bewohner nahe des Grenzübergangs Torkham. In den letzten Tagen wurden zudem Dutzende afghanische Flüchtlinge nach Torkham abgeschoben.

Ein gestrandeter Flüchtling, Ejaz Ul Haq, erklärte, er könne aufgrund der Kämpfe nicht nach Afghanistan zurückkehren. Besonders während des Ramadan verschärfe sich die Versorgungslage dramatisch.

Hintergrund: Dauerhafte Spannungen seit Oktober

Die aktuelle Eskalation ist Höhepunkt monatelanger Spannungen. Bereits im Oktober starben bei Grenzgefechten mehr als 70 Menschen.

Ein von Katar vermittelter Waffenstillstand beendete damals die intensivsten Kämpfe. Mehrere Gesprächsrunden in der Türkei im November blieben jedoch ohne nachhaltige Einigung.

Pakistan wirft Kabul vor, die TTP sowie verbotene belutschische Separatisten zu unterstützen. Afghanistan weist diese Vorwürfe zurück.

Zusätzlich beschuldigt Islamabad Indien, sowohl die TTP als auch die Baloch Liberation Army zu unterstützen – Vorwürfe, die Neu-Delhi bestreitet.

Militärisches Kräfteverhältnis

Der militärische Vergleich zeigt eine klare numerische Überlegenheit Pakistans:

Rund 660.000 aktive Soldaten

Moderne Luftwaffe mit F-16 und JF-17

Artillerie- und Panzerverbände

Afghanistan verfügt laut Schätzungen über weniger als 200.000 Kämpfer und kein funktionsfähiges Luftwaffensystem.

Allerdings besitzen die Taliban jahrzehntelange Erfahrung in asymmetrischer Kriegsführung. Bereits gegen NATO-Truppen setzten sie erfolgreich Guerillataktiken ein.

Zivile Opfer und internationale Reaktionen

Afghanische Behörden sprechen von 52 getöteten Zivilisten – überwiegend Frauen und Kinder – sowie 66 Verletzten. Pakistan bestreitet gezielte Angriffe auf zivile Ziele.

Die Vereinten Nationen äußerten „tiefe Besorgnis“ über die Bombardierung großer Städte. Katar, die Türkei, Saudi-Arabien, China und weitere Staaten bemühen sich erneut um Vermittlung.

Katarischer Staatsminister Mohammed bin Abdulaziz Al-Khulaifi führte Gespräche mit den Außenministern beider Länder.

Strategische Dimension: „TTP oder Pakistan“

Pakistans Armeesprecher, Generalleutnant Ahmed Sharif Chaudhry, erklärte, Kabul müsse sich entscheiden: „TTP oder Pakistan.“

Verteidigungsminister Asif formulierte es noch schärfer:

„Unsere Geduld ist erschöpft. Jetzt ist es ein offener Krieg zwischen uns.“

Afghanische Sprecher reagierten mit ebenfalls harter Rhetorik. Mujahid erklärte, die Angriffe seien eine Botschaft: „Unsere Hände können ihre Kehlen erreichen.“

Regionale Risiken

Analysten warnen vor einer Destabilisierung Südasiens. Die Durand-Linie ist seit Jahrzehnten politisch umstritten; Afghanistan hat sie nie offiziell anerkannt.

Sollten die Gefechte weiter eskalieren, könnten städtische Zentren in Pakistan ins Visier asymmetrischer Angriffe geraten.

Zudem wächst die Sorge, dass militante Gruppierungen von der Lage profitieren.

Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan ist in eine neue Phase eingetreten. Luftangriffe auf Hauptstädte, Drohneneinsätze im Hinterland und offene Kriegserklärungen markieren eine dramatische Eskalation.

Ob Vermittlungsversuche Erfolg haben oder die Region in einen langanhaltenden Grenzkrieg abrutscht, bleibt offen. Fest steht: Entlang der Durand-Linie brennt es – und beide Seiten haben ihre rote Linie überschritten.

Sven von Storch

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Kommentare

Bevölkerungsentwicklung
Afghanistan: 1950 etwa 8 Millionen. Aktuell ca. 46 Millionen.
Pakistan: 1950 etwa 35 Millionen. Aktuell ca. 255 Millionen.
Mehr braucht man hierzu eigentlich nicht zu wissen.

Wir haben gerade im Iran gesehen, wie schnell die Anführer solcher Regime vernichtet werden können, wenn man wirklich will, und die Willigen sich zusammenschließen. Anstatt sich demnächst wieder an den Kragen zu gehen, sollte Indien der pakistanischen Regierung Hilfe, beim Kampf gegen die Taliban-Terroristen, anbieten. Da die Afghanen zu friedlicher Selbstverwaltung anscheindend nicht fähig sind, übernehmen dann halt Pakistan und Indien die Kontrolle. Und dann rollt man, als nächstes, Syrien von hinten auf. Es ist völlig egal, ob die sich die Terrorvögel "Taliban" oder "Al-Nusra-Front" nennen. Sie müssen alle weg, und man darf keinen übrig lassen.

Ekkehardt Fritz Beyer

01.03.2026 | 14:25

... „Zwischen Pakistan und Afghanistan ist ein offener militärischer Konflikt ausgebrochen. Nach massiven Luftangriffen auf Kabul, Kandahar und weitere Provinzen erklärte Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Mohammad Asif offiziell den Zustand des „offenen Krieges“. ...

Um damit die von den Grünen scheinbar herbeigesehnte Zerstörung der Umwelt durch den Menschen zu untermauern, welche die Insassen des von der EU-Lokomotive gezogenen Zuges – vor Allem aber die verbliebenen Reste der indigenen Germanen – auf Druck von Brüssels deutscher Flinten-Uschi wieder auszugleichen haben???  

Ja mei: „Niemand in der internationalen Klimapolitik nimmt es so genau wie die EU, die nur noch für sechs Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich ist. Doch Bundesumweltminister Schneider hat noch ein ambitionierteres Ziel zur CO₂-Reduktion im Auge“!!! https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-klimaziele-deutschland-schneider-kritik-mitgliedsstaaten-li.3333576?reduced=true

Nun bin sicherlich nicht nur ich der Überzeugung: Der Viktor ist ein Segen für Deutschland, die EU und unsere gesamte, so geliebte und scheinbar einzigartige Erde!!! https://www.youtube.com/watch?v=ww7B3xT7txU

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