Dollar unter Druck im Persischen Golf

Iran und China setzen im Hormus auf den Yuan

Die Spannungen im Nahen Osten haben nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Folgen. Während eine fragile Waffenruhe zwischen den USA und Iran kurzfristig für Entlastung sorgt, nutzen Teheran und Peking die Situation, um die Dominanz des US-Dollars im globalen Handel gezielt infrage zu stellen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die strategisch entscheidende Straße von Hormus.

Iran und China stellen die Dominanz des US-Dollars im globalen Handel infrage

Hormus als Hebel der Macht

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Engpässen der Weltwirtschaft.

Rund 20 Prozent der globalen Öl- und Gaslieferungen passieren täglich diese Meerenge zwischen Iran und den Golfstaaten. Jede Störung wirkt sich unmittelbar auf Energiepreise, Lieferketten und Finanzmärkte aus.

Nach dem jüngsten Konflikt und der zeitweisen Einschränkung des Schiffsverkehrs rückt die Region erneut in den Fokus – nicht nur militärisch, sondern zunehmend auch finanziell, wie Al Jazeera berichtet.

Zahlungen in Yuan nehmen zu

Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass Iran begonnen hat, für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus Gebühren in chinesischen Yuan zu erheben.

Laut Brancheninformationen wurden bis Ende März mindestens zwei entsprechende Transaktionen bestätigt. Auch das chinesische Handelsministerium reagierte öffentlich auf entsprechende Berichte, was als indirekte Bestätigung gewertet wird.

Dieses Vorgehen gilt als symbolisch wichtiger Schritt.
Erstmals wird eine der zentralen Energie-Routen der Welt bewusst genutzt, um alternative Währungen im internationalen Handel zu etablieren.

Herausforderung für den Dollar

Der US-Dollar dominiert weiterhin den globalen Energiemarkt.

Nach Schätzungen von JP Morgan werden etwa 80 Prozent aller Öltransaktionen in Dollar abgewickelt. Diese Vormachtstellung ermöglicht es den USA, über Sanktionen erheblichen Einfluss auf andere Volkswirtschaften auszuüben.

Für Länder wie Iran und China stellt genau dies ein zentrales Problem dar.

Die Abwicklung von Geschäften in Yuan bietet ihnen die Möglichkeit, das westlich dominierte Finanzsystem teilweise zu umgehen und sich unabhängiger zu positionieren.

Strategische Partnerschaft wächst

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Iran und China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert.

Grundlage ist ein 25-jähriges strategisches Abkommen aus dem Jahr 2021. China bezieht inzwischen mehr als 80 Prozent der iranischen Ölexporte – häufig zu vergünstigten Konditionen.

Im Gegenzug liefert Peking Maschinen, Elektronik, chemische Produkte und industrielle Komponenten.

Daten von Analysefirmen zeigen, dass der aktuelle Konflikt diese Handelsströme kaum beeinträchtigt hat.

In den ersten zwei Wochen der Kämpfe exportierte Iran zwischen 12 und 13,7 Millionen Barrel Rohöl – der Großteil ging weiterhin nach China.

Ziel: Eine multipolare Finanzwelt

China verfolgt seit Jahren das strategische Ziel, den Yuan international stärker zu etablieren.

Staatspräsident Xi Jinping betonte 2024 erneut, dass die chinesische Währung langfristig den Status einer globalen Reservewährung erreichen soll.

Experten sehen darin den Versuch, eine multipolare Finanzordnung zu schaffen – mit mehreren bedeutenden Währungen statt einer dominanten Leitwährung.

Der Einsatz des Yuan im Energiesektor gilt dabei als entscheidender Schritt.

Grenzen bleiben deutlich

Trotz dieser Entwicklungen bleibt der Abstand zum US-Dollar erheblich.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds entfallen weiterhin rund 57 Prozent der weltweiten Devisenreserven auf den Dollar. Der Euro liegt bei etwa 20 Prozent, der Yuan lediglich bei rund 2 Prozent.

Auch im internationalen Handel spielt der Yuan bislang eine untergeordnete Rolle:

2024 wurden nur etwa 3,7 Prozent der grenzüberschreitenden Transaktionen in der chinesischen Währung abgewickelt.

Ein zentrales Hindernis ist die eingeschränkte Konvertierbarkeit des Yuan sowie die starke staatliche Kontrolle über das chinesische Finanzsystem.

Langfristiger Wandel statt schneller Umbruch

Ökonomen gehen daher nicht von einem abrupten Ende der Dollar-Dominanz aus.

Vielmehr zeichnet sich ein schrittweiser Prozess ab. Der zunehmende Einsatz alternativer Währungen im Energiehandel könnte die Stellung des Dollars langfristig schwächen – insbesondere in einzelnen Regionen und Sektoren.

Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts sowie von der geopolitischen Entwicklung der kommenden Jahre ab.

Druck auf den Dollar wächst

Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus zeigen deutlich:

Der geopolitische Konflikt im Nahen Osten hat längst auch eine finanzielle Dimension erreicht.

Noch bleibt der US-Dollar die unangefochtene Leitwährung. Doch mit jeder Transaktion außerhalb dieses Systems wächst der Druck auf die bestehende Ordnung.

Sven von Storch

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