Krankenkassen vor dem Finanzkollaps
Die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung wird immer dramatischer. Laut Regierungsprognosen fehlen dem System bis zweitausendsiebenundzwanzig rund fünfzehn Milliarden Euro. Bis zum Jahr zweitausenddreißig könnte die Finanzierungslücke sogar auf vierzig Milliarden Euro anwachsen, wie Kettner Edelmetalle berichtet.
Die Folge: Die Beiträge steigen immer schneller. Lag der durchschnittliche Zusatzbeitrag im Jahr zweitausendzweiundzwanzig noch bei ein Komma vier Prozent, kletterte er bis Januar zweitausendfünfundzwanzig bereits auf zwei Komma neun Prozent – mehr als eine Verdoppelung innerhalb von nur drei Jahren.
Ohne Gegenmaßnahmen könnten die gesamten Krankenkassenbeiträge laut Bundesregierung langfristig auf nahezu zwanzig Prozent des beitragspflichtigen Einkommens steigen.
Familienversicherung gerät massiv unter Druck
Besonders brisant sind die geplanten Änderungen bei der beitragsfreien Familienversicherung. Bislang können Ehepartner und Kinder häufig kostenlos mitversichert werden. Doch genau hier will die Regierung nun sparen.
Künftig sollen Versicherte für ihren mitversicherten Ehepartner zusätzliche Beiträge zahlen müssen. Vorgesehen ist ein Aufschlag von zwei Komma fünf Prozent des beitragspflichtigen Einkommens.
Für viele Familien bedeutet das erhebliche Mehrkosten. Gutverdiener könnten dadurch monatlich mit über einhundertfünfzig Euro zusätzlich belastet werden.
Kostenlos versichert bleiben sollen künftig nur noch Eltern mit kleinen Kindern bis zum siebten Lebensjahr, pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung oder Partner oberhalb der Regelaltersgrenze.
Kritiker sehen darin einen direkten Angriff auf klassische Familienmodelle. Wer sich entscheidet, dass ein Elternteil länger zuhause bei den Kindern bleibt, wird künftig finanziell deutlich stärker belastet.
Mehr zahlen – weniger Leistungen
Doch damit nicht genug. Parallel zu den höheren Beiträgen sollen auch Leistungen gekürzt werden.
Geplant sind unter anderem höhere Zuzahlungen bei Medikamenten sowie geringere Zuschüsse beim Zahnersatz. Für viele Versicherte bedeutet das: Trotz jahrzehntelanger Einzahlungen müssen sie im Krankheitsfall künftig tiefer in die eigene Tasche greifen.
Kritiker sprechen von einem gefährlichen Signal: Immer höhere Beiträge bei gleichzeitig sinkenden Leistungen könnten das Vertrauen vieler Bürger in das gesetzliche Gesundheitssystem weiter erschüttern.
Gutverdiener werden erneut stärker belastet
Auch Beschäftigte mit höheren Einkommen geraten erneut ins Visier der Politik. Für das Jahr zweitausendsiebenundzwanzig ist eine weitere Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze geplant.
Dadurch steigen die monatlichen Krankenkassenbeiträge zusätzlich. Arbeitnehmer mit höherem Einkommen müssten künftig bis zu dreißig Euro mehr pro Monat zahlen – Arbeitgeberanteil nicht eingerechnet.
Besonders hart trifft dies Selbstständige und Freiberufler, die den gesamten Beitrag allein tragen müssen.
Regierung spart nicht bei den Ursachen
Kritik gibt es auch daran, dass die Bundesregierung zentrale Kostentreiber kaum thematisiert. Zwar verweist die Politik auf die alternde Gesellschaft, steigende Gesundheitskosten und höhere Löhne im Gesundheitswesen.
Doch Fragen nach Bürokratiekosten, ineffizienten Strukturen oder zusätzlichen Belastungen des Systems durch nicht beitragszahlende Leistungsbezieher bleiben im aktuellen Gesetzentwurf weitgehend außen vor.
Auch die Existenz von mehr als neunzig gesetzlichen Krankenkassen mit eigenen Verwaltungsapparaten und milliardenschweren Marketingkosten wird bislang nicht grundlegend infrage gestellt.
Expertenkommission liefert 66 Vorschläge – Bürger zahlen die Rechnung
Eine zehnköpfige Expertenkommission aus Ökonomen, Medizinern, Juristen und Ethikern hatte insgesamt sechsundsechzig Reformvorschläge erarbeitet.
Das Ergebnis fällt aus Sicht vieler Kritiker ernüchternd aus: höhere Beiträge, mehr Eigenbeteiligung und weniger Leistungen.
Die Regierung verkauft das Paket dennoch als „Beitragsstabilisierungsgesetz“ – obwohl Millionen Versicherte vor allem steigende Belastungen spüren dürften.
Private Krankenversicherung wird wieder attraktiver
Angesichts der Entwicklungen dürfte die Debatte über die private Krankenversicherung erneut Fahrt aufnehmen. Für Beamte, Selbstständige und Besserverdiener könnte ein Wechsel ins private System attraktiver werden.
Die große Mehrheit der Arbeitnehmer bleibt jedoch an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden – und muss die steigenden Kosten tragen.
Sozialstaat unter Druck
Die Diskussion zeigt erneut die wachsenden Probleme des deutschen Sozialstaats. Steigende Kosten, demografischer Wandel und eine schwächelnde Wirtschaft setzen die sozialen Sicherungssysteme zunehmend unter Druck.
Für viele Bürger entsteht der Eindruck, dass die Politik die Finanzierungslücken vor allem über höhere Beiträge und Leistungskürzungen schließen will – während grundlegende Strukturreformen weiter ausbleiben.
Die parlamentarischen Beratungen über das Gesetzespaket sollen im Sommer beginnen. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab: Die Debatte über Krankenkassen, Sozialabgaben und die Zukunft des Gesundheitssystems dürfte zu einem der größten politischen Konfliktthemen der kommenden Monate werden.


Comments
Die Lesbarkeit des Artikels…
Die Lesbarkeit des Artikels würde erleichtert, wenn 4-stellige Zahlen in Ziffern anstatt in Worten dargestellt würden. Ebenfalls merkwürdig ist "zwei Komma fünf" Prozent, anstatt 2,5 Prozent.
Wenn das System falsch benutzt wird
Die Krankenkasse war mal als soziales Netz gedacht, bei dem Solidarität mit anderen Versicherten betrieben werden sollte, die sich bestimmte Behandlungen nicht leisten können! Heute ist die Krankenkasse ein Bedienungsladen für alle möglichen Leute geworden, denen der Zugriff aus dem Topf gar nicht zusteht! Dazu gehören in erster Linie Bezieher von Leistungen, die aus fremden Ländern kommen und lediglich gekommen sind, um abzuschöpfen, aber selbst nichts dazu beitragen! Dann kommen noch diejenigen hinzu, die unser Geld mit großem finanziellen Aufwand verwalten! Auch diese gehören zu den Schmarotzern, wie aufgeblähte Funktionäre, Verwaltungen, Vorstände usw.
Solidarität sollte nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen und danach sollte sie stark eingeschränkt werden! Das bisherige System funktionierte solange, bis falsche Bezieher in das System hinein kamen! Damit wurde das System in seiner Grundidee zerstört! Entweder kehren wir zu dem alten System zurück oder wir lösen das System der Pflichtversicherung ein für alle mal auf!
"Wieder nach vorne! Lass uns…
"Wieder nach vorne! Lass uns das machen, Deutschland!" (CDU-Czerny reloaded - für`s BRD-Museum)
https://www.youtube.com/watch?v=aOR8U4sKbhc
+++ Vorwärts und nicht vergessen : +++
"Keinem BRD-Bürger wird es schlechter gehen als bisher. Im Gegenteil!"
...mit unserem neuen "IM Czerny-reloaded" im XXXL-Format ! :
https://www.ddr-museum.de/objectdatabase/daphne/2/22717.full.jpg
https://www.ddr-museum.de/de/objects/1018291
Beilage Junge Welt: "Keinem DDR-Bürger wird es schlechter gehen..."
Beilage der Jungen Welt
Zitat von Lothar de Maizière im Zuge der Wirtschaft-, Währungs- und Sozialsunion
"Keinem DDR-Bürger wird es schlechter gehen als bisher. Im Gegenteil!"
an linken Rand eine Anmerkung der JW-Redaktion: "Hallo JW-Leser, diese Seite solltet ihr euch ausschneiden und aufheben. Schaut dann in den nächsten Monaten ab und zu mal drauf."
Inventarnummer 1018291
Meine BRD-Kinder sollen nicht mehr lügen müssen: Euer Czerny
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