Die Bundesbürger rüsten im Zuge wachsender Verunsicherung durch Kriminelle verstärkt auf. Die Zahl der sogenannten kleinen Waffenscheine ist weiter stark gewachsen. Nach Angaben der Bundesregierung stieg deren Zahl im Zeitraum von Ende Januar 2018 bis Ende Januar 2019 von 565.000 auf knapp 620.000, was einem Zuwachs um knapp zehn Prozent bedeutet.
Der Verband Deutscher Büchsenmacher (VDB) will darin kein Anlass zur Sorge sehen. »Wir brauchen keine Angst vor denjenigen mit einem kleinen Waffenschein haben, sondern eher vor denjenigen, die keinen besitzen und sich nicht, wie seit 2003 vorgeschrieben, der behördlichen Kontrolle unterziehen«, sagte VDB-Geschäftsführer Ingo Meinhard.
Als Voraussetzung für die Erteilung eines kleinen Waffenscheins gilt, dass der Bewerber volljährig ist sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheint. Er muss ein Führungszeugnis vorlegen und eine Sachkunde nachweisen. Mit dem Dokument können freiverkäufliche Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen erworben werden.
Die Gesamtzahl aller im Nationalen Waffenregister gespeicherten Waffen und Waffenteile liegt mit 5,4 Millionen etwa gleichbleibend hoch. Hingegen hat die Zahl verschwundener privater Schusswaffen in Deutschland einen neuen Rekord erreicht.
Ende Januar 2019 waren laut Nationalem Waffenregister insgesamt 28.901 Schusswaffen nicht mehr auffindbar, womit die Zahl der verschwundenen Waffen um knapp 18 Prozent innerhalb von zwölf Monaten anstieg. Drei Jahre zuvor waren noch rund 11.000 weniger Waffen verschwunden gewesen.
Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag hervor. Demnach sind die meisten dieser Waffen (22.978) als verloren gemeldet, etwa ein Viertel (5.923) als gestohlen.
Die Bundesregierung wollte eigentlich die Zahl illegal zirkulierender Waffen verringern. Der Bundesrat stimmte 2017 einer von der Bundesregierung geplanten einjährigen Amnestie für illegalen Waffenbesitz. Wer verboten erworbene Waffen und Munition bei den Behörden abgibt, soll nicht bestraft werden.
Jetzt warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP), dass jede verschwundene Waffe ein Risiko berge, bei einer Straftat eingesetzt zu werden. »Es wäre sicherlich naiv zu glauben, die entsprechenden Waffenbesitzer wären schusselig und hätten vergessen, wo sie ihre Waffen gelassen hätten«, erklärte GdP-Chef Oliver Malchow.
Sorge vor Kriminalität und Terror verstärken Selbstbewaffnung
Immer mehr Deutsche beantragen Kleinen Waffenschein
Immer mehr beantragen in Deutschland einen Kleinen Waffenschein, um Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen tragen zu können. Binnen eines Jahres gab es einen Zuwachs um zehn Prozent. Gleichzeitig wurden 18 Prozent mehr verschwundene echte Schusswaffen registriert.
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