Nach Verurteilung aufgrund Vertuschung von Kindesmissbrauch

Papst Franziskus lehnt Rücktrittsgesuch von Kardinal Barbarin ab

Der Oberhirte der katholischen Kirche in Frankreich, Kardinal Philippe Barbarin, wurde zu Haft auf Bewährung verurteilt, weil er mehrfachen Kindesmissbrauch vertuscht habe. Ein daher eingereichtes Rücktrittsgesuch soll Papst Franziskus am Montag abgelehnt haben.

Papst Franziskus soll offensichtlich den Rücktritt des obersten französischen katholischen Würdenträgers, des Kardinals Philippe Barbarin, ablehnen, der wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch von einem Gericht in Frankreich strafrechtlich verurteilt wurde.

Wie in Lyon Barbarin erklärte, habe der Papst seine Abberufung bei einem Treffen im Vatikan am Montag zurückgewiesen und die »Unschuldsvermutung« geltend gemacht. Daher beabsichtigt Barbarin sein Amt als Erzbischof von Lyon zunächst nur ruhen zu lassen.

Barbarin war vor knapp zwei Wochen von einem Gericht in Lyon zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Priester verschwieg.

Der Priester soll  rund 40 Jahre lang mehrere minderjährige Pfadfinder sexuell missbraucht haben. Kardinal Barbarin bestritt während des Prozesses immer wieder, von dem Missbrauch gewusst zu haben.

Bereits 2016 war gegen Barbarin wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe des gleichen Priesters ermittelt worden, doch damals stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach einigen Monaten ein, da es keine Hinweise auf eine Straftat des Kardinals gegeben habe.

Während Barbarins Anwälte vor Gericht Rechtsmittel gegen das Urteil ankündigten, bot der 68-jährige Kardinal, der seit 2002 als Erzbischof von Lyon amtiert, dem Papst seinen Rücktritt an.

Seit Jahren wird die katholische Kirche immer wieder von Missbrauchsskandalen erschüttert. Franziskus versprach zwar eine Aufklärung zu, bleibt diese aber immer wieder schuldig. Eine Missbrauchskonferenz im Vatikan Ende Februar blieb nach Einschätzung von Opferverbänden ohne konkrete Ergebnisse.

Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, zeigte sich erstaunt über die Entscheidung des Papstes zu Kardinal Philippe Barbarin. Das führe  für zu einer noch nie dagewesenen Situation, sagte Pontier.


Sven von Storch

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