Migrantenzahlen über Iberische Halbinsel verdreifachten sich

Immer mehr illegale Zuwanderung über Spanien nach Europa

Die Route der illegalen Einwanderung nach Europa verlagert sich immer mehr von Griechenland und Italien nach Westen. Die Zahl der Migranten, die 2017 über das Mittelmeer nach Spanien kamen, verdreifachte sich gegenüber dem Vorjahr.

Freie Welt

In Spanien kommen nach Griechenland und Italien die drittmeisten Migranten auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa an, doch die Iberische Halbinsel wird als Ziel der illegalen Einreise immehr begehrter. Im vergangenen Jahr verdreifachte sich nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex die Zahl der Bootsflüchtlinge auf fast 23.000 Menschen. Im Jahr zuvor waren es lediglich 8.000 gewesen. Dabei stammten rund 40 Prozent der Einwanderer aus Algerien und Marokko, die restlichen Personen aus westafrikanischen Staaten.

Hingegen registrierte Italien mit 119.000 illegal eingereister Migranten einen deutlichen Rückgang mit 62.000 Menschen weniger als im Vorjahr. Dort stellen unterdessen Personen aus Nigeria mit 15 Prozent die größte Gruppen. Ebenso verringerte sich sehr stark die Zuwanderung über Griechenland von 174.000 im Jahr 2016 auf 30.000 im vergangenen Jahr. Hier dominieren weiterhin unter den Nationalitäten Syrer und Iraker. Frontex zählte insgesamt mehr als 200.000 versuchte Grenzübertritte in die Europäische Union.

In Spanien wächst die Sorgen, dass die Schlepperbanden aufgrund wachsender Kontrollen und Hindernisse auf den bisherigen Hauptrouten weiter westlich in Richtung Iberischer Halbinsel ausweichen. Auf der zentralen Mittelmeerroute nach Italien haben es unterdessen die Schlepper wegen der EU-Kooperation mit Libyen schwieriger. So ersuchte jetzt der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy die Europäische Union, sein Land nicht mit dieser Herausforderung alleine zu lassen. Man fordert Verbesserungen beim Grenzschutz.

Immer mehr Boote würden direkt in Algerien und Marokko ablegen und Kurs Richtung Spanien nehmen. Obwohl die nordafrikanischen Staaten viel Unterstützung des Westens bei Armee, Grenzschutz und Küstenwache erfahren, sind im Land täglich Willkür und Korruption an der Tagesordnung, was letztlich auch negative Auswirkungen auf die Grenzsicherung hat. Wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und fehlende Freiheiten tragen dabei dazu bei, dass insbesondere junge Menschen verstärkt den Weg nach Europa suchen.

Auch Migranten aus Syrien, die früher vor allem über die benachbarte Türkei und Griechenland kamen, sind bereits mit rund zehn Prozent unter den illegalen Zuwanderern in Richtung Iberische Halbinsel dabei. Diese schlagen sich in Durchquerung ganz Nordafrikas über einen 6.000 Kilometer langen Landweg und dann von zumeist Marokko aus die Route über das Mittelmeer bis nach Spanien durch.

Sven von Storch

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