Von Tönnies angesprochene Probleme zu Afrika seien real

Afrika-Beauftragter Nooke will ehrliche Debatte zu Tönnies-Aussagen

Der Afrika-Beauftragte im Kanzleramt, Günter Nooke (CDU), schaltet sich in die Debatte um den mit Rassismus-Vorwürfen belegten Schalke 04-Aufsichtsratschef Tönnies ein. Die Wortwahl sei unglücklich, aber die angesprochenen Probleme durchaus real und zu diskutieren.

Wegen Rassismusvorwürfen lässt der Aufsichtsratchef des Fußballklubs FC Schalke 04, Clemens Tönnies, vorerst sein Amt ruhen. Jetzt will der Afrikabeauftragte des Kanzleramts im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Günter Nooke (CDU), eine ehrliche Debatte über die von Tönnies benannten Probleme anregen.

»Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden«, sagte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und frühere CDU-Bundestagsabgeordnete.

Allerdings kritisierte Nooke zugleich die Wortwahl des Schalke-Aufsichtsratschefs. Sätze wie die von Herrn Tönnies würden jede konstruktive Diskussion erschweren, sagte der Afrikabeauftragte. »Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen.«

Tönnies' Vorschlag zum Bau von Kraftwerken in Afrika hält Nooke für unzureichend: »Es wird nicht reichen, Geld für Kraftwerke in Afrika bereitzustellen«. Es gebe »dort in vielen Ländern mangelhafte Rahmenbedingungen für sichere Investitionen« und »zu wenig Vertrauen in viele der afrikanischen Regierungen«.

Tönnies kritisierte beim Tag des Handwerks in Paderborn vergangene Woche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. »Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren«, führte Tönnies weiter aus.

Daraufhin kamen Rassismus-Vorwürfe auf. Der Schalker Ehrenrat teilte nach einer Sitzung am Dienstagabend mit, dass der Vorwurf des Rassismus unbegründet sei, Tönnies jedoch gegen das in der Vereinssatzung verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen habe.

Tönnies wird sein Amt beim FC Schalke 04 nun für drei Monate ruhen lassen. Der 63-jährige Sportfunktionär und Unternehmer hatte sich zwischenzeitlich für seine Äußerungen entschuldigt, die »falsch, unüberlegt und gedankenlos« gewesen seien.


Sven von Storch

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