Der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) tritt nicht wieder für den Bundestag an. Das gab der 77-jährige am Dienstag zunächst in seinem Berliner Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg und dann über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Er wolle sich den Stress nicht noch einmal antun.
Der Jurist, der einst in einem Anwaltskollektiv mit Otto Schily und Horst Mahler die RAF verteidigte, rückte erstmals 1985 als Nachrücker für zwei Jahre in den Bundestag. 1990/91 war der immer zum linken Parteiflügel gehörige Ströbele Bundessprecher der Grünen, musste aber nach einer Israel-feindlichen Äußerung zurücktreten.
1998 kehrte er über die Landesliste in den Bundestag zurück. 2002 verwehrten ihm dort die Delegierten einen chancenreichen Platz, doch er gewann mit einem völlig eigenständigen Wahlkampf, der sich dezidiert gegen die eigene Parteiprogrammatik richtete, überraschend das erste grüne Direktmandat im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Drei weitere Male gelang es ihm in Folge ein Direktmandat in dem Wahlkreis zu holen, dass er seit 1998 ununterbrochen im Bundestag saß. Immer wieder vertrat der Parteilinke auch offen von seiner Fraktion abweichende Meinungen, so auch am 29. Juni 2012 als einziger aus dieser gegen ESM und Fiskalpakt stimmte.
Da der bisherige Alterspräsident der CDU-Abgeordnete Heinz Riesenhuber (81) nicht mehr kandidiert, wurde in linken Kreisen in den letzten Monaten massiv bei Ströbele um eine erneute Kandidatur gebuhlt, er solle damit den für den Bundestag kandidierenden 75-jährigen AfD-Vize Alexander Gauland als möglichen neuen Alterspräsidenten verhindern.
Die Frage aber, wer die Eröffnungsrede bei der Bundestagskonstituierung halten darf, stimmte Ströbele nicht mehr um. Er erklärte seinen Rückzug. Was von den um seinen Wiederantritt Buhlenden verschwiegen wurde, sollte die FDP zurückkehren, würde der Alterspräsident dann ohnehin wohl an Ex-Bundestags-Vize Otto Solms fallen.
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Ströbele tritt nicht mehr für den Bundestag an
Der grüne Abgeordnete Hans-Christian Ströbele will nun doch Schluss machen. Der 77-jährige Parteilinke, der viermal in Berlin das Direktmandat holte, kandidiert 2017 nicht noch einmal für den Bundestag.
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