Während sich die Spitzenfunktionäre noch offiziell hinter dem Parteichef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer stellen, grummelt es bei der CSU immer lauter an der Basis. Seit Seehofer am Sonntag einräumen musste, dass die CSU mehr als zehn Punkte bei der Wahl verloren hatte, gibt es Rücktrittsforderungen.
Der Chef des CSU-Kreisverbands Nürnberg-West, Jochen Kohler, fordert auf Facebook: »Die personellen Weichen müssen an der Parteispitze neu gestellt werden. Wenn nicht jetzt ein Neuanfang kommt – wann dann?« Dem Parteivorsitzenden wird eine zu große Wankelmütigkeit vorgeworfen, die bei der Bundestagswahk zu »eine deftigen Klatsche« führte.
Thomas Zehmeister als Chef des mittelfränksichen CSU-Ortsverbands Großhabersdorf, fordert Seehofer gar recht deutlich auf, »mit sofortiger Wirkung sein Amt als CSU-Parteivorsitzender niederzulegen um den Weg für einen personellen Neuanfang freizumachen«.
Der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König postet: »Ich glaube, wir brauchen einen anderen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl«. Er schlägt den bei Seehofer in Ungnade gefallenen bayerischen Finanzminister Markus Söder als geeigneten Kandidaten vor, der entsprechende Ambitionen auch hegt.
Seehofer will jedoch die nächste bayerische Landtagswahl im Herbst 2018 weiter selber als Spitzenkandidat bestreiten, wo er noch nach der letzten Landtagswahl ankündigte, dass dieses seine letzte Wahlperiode sei. Von seiner ursprünglichen Aussage ist der immerhin schon 68-jährige unterdessen zurückgerudert.
Seehofer flog nun ungeachtet der Kritik zunächst einmal nach Berlin, um der Konstituierung der Unionsfraktion und der CSU-Landesgruppe beizuwohnen. Auf dem Programm stand dabei auch ein Termin mit Bundeskanzlerin Merkel im Kanzleramt. Zu den Rücktrittsforderungen sagt er: »Ich sehe, dass nach dieser Wahl nicht nur in der CSU Fragen gestellt werden», was letztlich »demokratische Normalität« sei.
Dabei fügt er an: »Es geht um den richtigen Stil und den richtigen Platz.« Dieser sei für ihn im November am CSU-Parteitag, wo man solche Debatten führen könne. »Alles andere ist nicht hilfreich.« Sprich Seehofer will bis dahin die Diskussion um seinen Posten an der Spitze der Partei und des Freistaates aussitzen. Er wolle die Zeit jetzt nutzen, ein Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP zustande zu bringen, sehe da »große Zuversicht im Herzen«.
Gleichzeitig kündigt Seehofer aber auch schon wieder an, dass es in den Koalitionsverhandlungen als eine Kernforderung der CSU um eine Obergrenze bei Flüchtlingen gehen werde, wohlwissend dass nicht nur die CDU-Vorsitzende Angela Merkel diese ablehnt, sondern das mit den Grünen überhaupt nicht zu machen sein wird. Seehofer erklärt trotzdem träumerisch, dass er mit Merkel da bald auf einen grünen Zweig kommen werde.
An der Basis wächst der Widerstand gegen den CSU-Chef
Seehofer will Rücktrittsforderungen bis November aussitzen
Nach massiven Wählerverlusten mehren sich an der CSU-Basis Forderungen nach einem Rücktritt von Seehofer. Der will bis zum Parteitag im November davon nichts hören und eine Jamaika-Koalition voran bringen, dabei von der Kernforderung Obergrenze redend.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.


Add new comment