1.400 Afrikaner allein am Wochenende an spanischer Küste angekommen

Politikberater Knaus fordert EU-Asylzentren in Spanien

Allein am Wochenende kamen erneut 1.400 Afrikaner in Spanien an, teils selber in Schlauchbooten an Urlauberstränden. Der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus plädiert nun auch noch dafür, EU-Asylzentren in Spanien einzurichten.

Von Freitag bis Sonntag kamen nach Angaben der Regierung in Madrid wieder mehr als 1.400 afrikanische Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Spanien. Selbst die neue Linksregierung sieht darin immer mehr ein Problem.

»Das Migrationsproblem ist ein Problem Europas und erfordert eine europäische Lösung«, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Malaska nach einer Unterstützung durch die Europäische Union rufend.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) wies schon vor einer Woche darauf hin, dass Spanien nun zum neuen Hauptziel illegaler Migranten geworden sei. Die Zahl übertrifft unterdessen die Ankünfte in Griechenland und Italien.

Immer häufiger wird davon berichtet, wie mit Afrikanern vollbeladene Schlauchboote auch direkt an den spanischen Urlauberstränden ankommen, dort ganz schnell an Land springen und zur Überraschung der  badenden Touristen in den Dünen verschwinden.

Im Schnitt erreichen 700 Migranten täglich das Land, wobei in den meisten Fällen die spanische Seenotrettung die Boote einige Kilometer vor der Küste stoppt und die Flüchtlinge an Bord ihrer Schiffe aufnimmt.

In Andalusien kümmern sich dann Rotes Kreuz und die Behörden um die Afrikaner. Man bringt diese dann in Sporthallen unter. Von der spanischen Zentralregierung heißt es dazu beschwichtugend: Man habe die Situation absolut unter Kontrolle, investiere bis Ende des Jahren 30 Millionen Euro in die Soforthilfe.

Unterdessen fordert der Chef der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative (ESI), Gerald Knaus, die deutsche Bundesregierung dazu auf, bei der Lösung der europäischen Migrationskrise die Initiative zu ergreifen.

»Ich sehe gerade jetzt eine Chance für einen Durchbruch. Dazu brauchen wir eine Koalition betroffener Staaten, die zeigen, wie praktische Lösungen aussehen können«, sagte der Migrationsforscher, der auch Architekt des EU-Türkei-Abkommens war.

»Derzeit kommen mehr Menschen über das Meer nach Spanien als nach Italien. Warum richten Deutschland, Frankreich und die Niederlande nicht gemeinsam mit Madrid ein Aufnahmezentrum in Spanien ein?«, fragt der Österreicher.

Sein Modell sieht schnelle Asylentscheidungen »innerhalb weniger Wochen« vor. Anerkannte Flüchtlinge sollen dann auf Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden verteilt werden. »Wer abgelehnt wird, müsste sofort in die Herkunftsländer zurück«, heißt es bei Knaus.

Dazu benötige es Abkommen mit den wichtigsten Herkunftsländern in Afrika: »Wenn diese helfen, ab einem Stichtag jeden sofort zurückzunehmen, der keinen Schutz braucht, würden Kontingente für legale Migration in Form von Arbeitsvisa oder Stipendien zugesagt.«

Die Gefahr, welcher in Knaus' Vorschlag für Asylzentren in Spanien liegt, liegt jedoch darin, dass das Spanien noch mehr zum begehrten Ziel von afrikanischen Migranten machen wird. Ein Land, das eine Haupteinnahmequelle im Tourismus hat, wird aber Probleme bekommen, wenn es zum Alltag wird, dass Urlauber an den Badestränden dort immer wieder im Schlauchboot auftauchenden Afrikanern begegnen.


Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.