Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Die Partei »Die Linke« setzt sich nach wie vor überwiegend aus Mitgliedern zusammen, die bereits zu DDR-Zeiten der Vorgängerpartei SED angehörten. Jetzt lassen uns Politiker der Linkspartei wissen, dass die Tradition und Mitgliederschaft ihrer Partei eigentlich »rechts« verortet ist.
Die Linken-Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak erklärte am Wochenende auf Twitter, dass die Sozialistische Einheitspartei »im Kern eine rechte Partei« gewesen, denn die Genossen seien autoritär und nationenbezogen gewesen und hätten alles ausgegrenzt, was sie nicht für normal erachtet hätten.
Damit ging die 44-jährige Juristin auf ein Tweet des Junge-Union-Vorsitzenden Paul Ziemiak zum 56. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer ein, der schrieb: »Jedes Jahr erinnert die Junge Union an den Tag des Mauerbaus! Mahnung an alle in der SPD, die behaupten es gäbe keine ‘linke Gewalt’.«
Darauf reagierte die frühere PDS-Abgeordnete und heutige SPD-Mitarbeiterin Angela Marquardt empört mit: »Was für ein widerlicher und ahistorischer Tweet. Unglaublich.« Der Publizist Hugo Müller-Vogg fragte dazu: »Waren die SED-Genossen, die die Mauer gebaut haben, etwa Rechte?«. Ex-Linke-Parteivize Wawzyniak stieg darauf mit einer Bejahung zu ihrer Uminterpretation der SED ein.
Die Bundestagsabgeordnete erntete schließlich Spott für ihre Äußerung - und wurde vom CDU-Abgeordneten Jens Spahn gefragt, ob Erich Honecker auch ein Nazi gewesen sei. Darauf konkretisierte Wawzyniak, sie habe von »rechter Partei« gesprochen, nicht von Nazis. Da gebe es einen Unterschied. Damit wich sie von üblichen Argumentationsmustern der Linken ab, alles, was irgendwie konservativ oder rechts ist, in einer Nazi-Ecke zu verorten.
Wawzyniak versicherte natürlich, die Linkspartei sei heute das Gegenteil von dem, wofür die SED gestanden habe. Da fragt man sich nur, warum die Partei sich nicht 1989/90 aufgelöst hat und bis heute die DDR-Zeit in leuchtenden Farben ausmalt. Auch Trauerbotschaften zum Tod von Fidel Castro im autoritär regierten Kuba und Liebesbekundungen zum sozialistischen Maduro-Regime in Venezuela gibt es weiterhin.
Das lässt letztlich die Frage aufkommen, ob die Linkspartei angesichts ihrer bis heute gelebten Traditionslinie dann nicht bis heute »rechts« sein muss. War Gysi gar Parteichef einer Rechtspartei? Die Übergänge vom Sozialismus nationaler oder internationaler scheinen also in der Tat fließend zu sein. Da muss sich die Antifa doch geradezu ermuntert fühlen, ihren Kampf nicht gegen Konservative, sondern endlich gegen die Linkspartei zu richten.
Deren Wahlplakate sind übrigens auch noch traditionell in den Farben Schwarz-Weiß-Rot gehalten. Woran das wohl wieder erinnert? Oder ist es am Ende nicht so, dass vielleicht mehr links ist, als es uns die Linken erlauben zu denken? Jene autoritäre und ausgrenzende Elemente lassen sich mindestens bis zur sozialistischen Oktoberrevolution 1917 erblicken. Das war bevor bestimmte »Rechte« auftraten.
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