IWF-Chefin kritisiert deutsche Export-Überschüsse

Lagarde verlangt von Deutschland mehr Investitionen

Seit Jahren schickt Deutschland mehr Waren in die Welt als es aus anderen Ländern importiert. An diesen Exportüberschüssen mehrt sich Kritik, so auch wieder von IWF-Chefin Lagarde, die von der Bundesregierung mehr Investitionen einfordert.

Freie Welt

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, fordert Deutschland erneut dazu auf, seine Exportüberschüsse noch stärker für Investments in die Infrastruktur zu nutzen. »Wir empfehlen noch weitere Investitionen dieser Art, zum Beispiel in mehr Breitbandtechnologie«, sagte die 61-jährige.

Erste Ansätze seien jedoch erkennbar. So habe die Bundesregierung bereits begonnen zu investieren, auch wegen der Flüchtlingskrise, erklärte die IWF-Chefin, und hob dabei hervor, dass Deutschland sich als eines von wenigen Ländern zu einer Entwicklungsförderung in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bekenne.

»Es ist aber ein langsamer Prozess und wir empfehlen noch immer mehr«, kritisierte die Französin, und warnte vor exzessiven Ungleichgewichten, ausufernder Ungleichheit oder Instabilität im Finanzsystem. »Das alles ist schlecht für die Stabilität und für nachhaltiges Wachstum. Wir zögern nicht, das auch zu sagen.«

Es sei legitim für ein Land wie Deutschland mit alternder Bevölkerung, nach einem Überschuss zu trachten, ließ Lagarde in einem Interview weiter wissen. »Vier Prozent wäre vielleicht gerechtfertigt, acht Prozent sind es nicht«, ergänzte Lagarde. Die Importe hatten zuletzt einen Wert von 954,6 Milliarden Euro.

Schon seit einiger Zeit wird der hohe deutsche Exportüberschuss international kritisiert, unter anderem von US-Präsident Donald Trump, aber auch vom französischen Präsidentschaftsbewerber Emmanuelle Macron, der die deutsche Exportstärke als »nicht mehr tragbar« bezeichnete.

Macron beklagte kürzlich, Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. »Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden«, sagte dieser.

Mehr dazu unter dw.com


Sven von Storch

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