Grünen-Ministerpräsident mit ungewohnter Sprachwahl zur Asylpolitik

Kretschmann irritiert Grüne mit testosteron-gesteuerten Männerhorden

Für seine Aussage, verhaltensauffällige Asylsuchende auf ländliche Gebiete verteilen zu wollen, stößt Ministerpräsident Kretschmann bei seinen Grünen auf Kritik. Er sprach nämlich von »jungen Männerhorden«, die oft testosterongesteuert seien.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sorgt innerhalb seiner Partei bei Mitgliedern und Anhängern mit einer asylpolitischen Forderung und der dazu gehörigen Wortwahl für Irritationen. Dieser will Asylsuchende, die in Gruppen Straftaten begehen, von Großstädten fernhalten und im Land verteilen.

»Solche Gruppen muss man trennen und an verschiedenen Orten unterbringen«, sagte der Grünen-Politiker. »Großstädte sind für solche Leute wegen der Anonymität attraktiv und weil sie dort Gleichgesinnte treffen.«

Der Gedanke, »dass man da welche in die Pampa schickt, ist nicht falsch«. Das seien Dinge, die derzeit zur Debatte stehen würden. Es gehe ihm dabei auch um Asylsuchende, die stehlen oder andere anpöbeln. »Dafür kommt man nicht ins Gefängnis. Trotzdem können wir solche Dinge nicht dulden«, betone der 70-jährige.

»Salopp gesagt ist das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht hat, junge Männerhorden. Solche testosterongesteuerten Gruppen können immer Böses anrichten«, sagte Kretschmann. Die Vergewaltigung in Freiburg sei ein schlimmes Beispiel, sagte Kretschmann hinsichtlich der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in der Stadt im Breisgau.

Innerhalb der Grünen bemüht man sich mit der Aussage Kretschmanns umzugehen, kritisiert so vor allem die Wortwahl. »Ich hätte es anders formuliert, aber in der Sache unterstreicht Kretschmann das, wofür wir Grünen lange streiten«, sagte Parteichefin Annalena Baerbock. Es gebe Strukturen, die Gewalt förderten. »Daher haben wir immer gesagt, dass es für Asylsuchende dezentrale Unterbringung geben muss. Das ist die beste Prävention.«

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, rügte ebenfalls Kretschmanns Wortwahl: »Man sollte gerade bei heiklen Themen auf seine Sprache achten«, sagte dieser. »Das ist nicht unsere Sprache«, erklärte auch Bundesgeschäftsführer Michael Kellner am Rande des Grünen-Parteitags in Leipzig. Diese »radikale Sprache« kenne er auch von Kretschmann nicht.

Kretschmann, der dem Parteitag fern blieb, schließt mit seinen asylpolitischen Äußerungen an Tübingens grünen Oberbürgermeister Boris Palmer an, der  gewaltbereite Flüchtlinge in sicheren Landeseinrichtungen in entlegenen Gegenden unterbringen will und dafür auch innerhalb seiner Partei kritisiert wurde.

Beim Grünen-Parteitag am Wochenende gab es auch inhaltlich Streit zur Migrationspolitik. Ex-Parteichefin Claudia Roth Front machte Stimmung gegen eine Formulierung im Entwurf für das neue Europawahlprogramm. Sie kritisierte den Passus, dass nicht jeder, der nach Deutschland komme, auch bleiben könne. Der strittige Satz wurde kurzerhand an eine andere Stelle im Programm gesetzt.

Sven von Storch

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