Hamas nennt Zerstörung Israels nicht mehr als Hauptziel

Israel sieht in neuem Hamas-Papier Täuschungsmanöver

Die islamistische Hamas gab sich neue politische Ziele. Dabei wolle man »vorerst« auf eine Zerstörung Israels verzichten und einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 akzeptieren. Israel hält den Vorstoß jedoch für wenig glaubwürdig.

Freie Welt

Die Regierung Israels hat das neue Papier der Hamas, in welcher die radikalislamische Palästinensergruppe erstmals in ihrer Geschichte versöhnlichere Töne gegenüber Israel anschlägt, als ein großes »Täuschungsmanöver« zurückgewiesen.

»Wir sehen, wie die Hamas nicht nur all ihre Ressourcen in die Vorbereitung eines Kriegs mit Israel steckt, sondern auch in die Erziehung der Kinder in Gaza dazu, dass sie Israel zerstören wollen«, heißt es in einer Regierungserklärung.

»Die Hamas versucht die Welt zum Narren zu halten, das wird ihr aber nicht gelingen. Sie graben Terrortunnel und feuern tausende Raketen auf israelische Zivilisten ab. Das ist die echte Hamas«, erklärte David Keyes, Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Zuvor war die Hamas in einem Dokument zu ihrer politischen Ausrichtung von ihrem harten Kurs gegenüber Israel teils abgerückt. Man sei in einem Konflikt mit dem »zionistischen Projekt, aber nicht mit den Juden wegen ihrer Religion«. Der Aufruf zur Zerstörung Israels wird schließlich fallengelassen und das Bündnis mit der islamistischen Muslimbruderschaft aufgekündigt.

Darüber hinaus spricht sich die Hamas für die Gründung eines Palästinenserstaats in den Grenzen von 1967 aus. Man sei bereit, dieses zumindest zeitweise zu akzeptieren. Ziel sei aber weiterhin die Befreiung von ganz Palästina, sagte Hamas-Anführer Khaled Meshaal.

1967 besetzte Israel im Sechstagekrieg den Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem. Meshaal äußerte weiter: »Wir wollen unsere Prinzipien nicht aufweichen, aber wir wollen offen sein. Wir hoffen, dass dieses Dokument die Haltung der Europäer uns gegenüber ändert«.

Mit dem Dokument will die Hamas zu den Europäern, aber auch zu den USA, den Golfstaaten und Ägypten ihre Beziehungen verbessern und aus der internationalen isolation auszubrechen. Die Gruppe wird unter anderem von der EU und den USA als terroristische Organisation eingestuft.

Mit der Änderung ihrer Haltung zu den Grenzen von 1967 würde die Hamas näher an die Positionen der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas heranrücken. Ein Sprecher der Fatha sagte dann auch, das Hamas-Dokument sei ähnlich der Position, die die Fatah bereits seit 1988 vertrete.

»Die Hamas muss sich bei der Fatah entschuldigen, nachdem sie uns 30 Jahre lang wegen dieser Politik des Verrats bezichtigt hat«, äußerte der Sprecher. Die Hamas gründete sich 1987 als Ableger der inzwischen verbotenen ägyptischen Muslimbruderschaft und eroberte 2007 den Gazastreifen . Seither kämpfte sie massiv mit Waffengewalt gegen Israel.

Mehr dazu unter welt.de

Sven von Storch

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