Migrationsforscher Brücker: Deutschland wird bunter

In 20 Jahren ist mindestens jeder Dritte Zugewanderter

In Deutschland wird der Anteil Zugewanderter laut dem Migrationsforscher Herbert Brücker bis 2040 deutlich steigen. Während es jetzt noch ein Drittel ist, haben wir in 20 Jahren mindestens 35, vielleicht auch über 40 Prozent mit ausländischen Wurzeln.

Freie Welt

In 20 Jahren werde jeder dritte Mensch in Deutschland ein Zuwanderer sein, prognostiziert der Ökonom Herbert Brücker, Leiter des Forschungsbereichs Migration am bundeseigenen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. »Derzeit hat etwa ein Viertel der Menschen in Deutschland Migrationshintergrund. In 20 Jahren werden es mindestens 35 Prozent, könnten aber auch über 40 Prozent sein«, sagt dieser.

Frankfurt am Main sei für ihn ein gutes Beispiel. »Dort hat schon heute jeder Zweite Migrationshintergrund. In Berlin sind es etwa 35 Prozent. Was wir heute in den Großstädten sehen, ist künftig für das Land insgesamt normal. Und in einer Stadt wie Frankfurt werden wir dann Anteile von Zuwanderern zwischen 65 und 70 Prozent haben.«

Ein »falsches Bild« sei es allerdings zu glauben, eine »Minderheit« von Deutschen stehe künftig einer »Mehrheit« von Einwanderern gegenüber, versucht schließlich Brücker, der außerdem Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt Universität ist, zu beruhigen.

Brücker fügt ergänzend an: »Die Deutschen werden immer die mit Abstand größte Gruppe bleiben. Die Migranten sind ja ganz unterschiedlich, eben sehr bunt. Einige sind Muslime, andere Buddhisten, die Mehrheit Christen. Einige haben akademische Abschlüsse, andere sind Hilfsarbeiter.«

Der Professor für Volkswirtschaftslehre ist dabei überzeugt: Um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, müsse sich Deutschland künftig vielen Nationalitäten öffnen. »Deutschland wird bunter werden«. Berechnungen seines IAB zufolge brauche Deutschland bis 2060 pro Jahr netto 400.000 Einwanderer, damit Erwerbsbevölkerung und Wirtschaftskraft nicht schrumpfen.

»Wir sind bei der Migration im Wettbewerb mit anderen Ländern – und zwar sowohl bei den Hochqualifizierten als auch bei geringer qualifizierten Menschen«, sagt Brücker. Klar sei dabei, dass immer weniger Arbeitskräfte aus der EU zu uns kommen würden. Das Potenzial an Zuwanderern hieraus sei zunehmend ausgeschöpft. Deshalb müsse sich Deutschland verstärkt anderen Ländern, etwa EU-Anrainerstaaten, öffnen.

Sven von Storch

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