Zuletzt war es still geworden, um den Namensgeber einer umstrittenen, aber nachhaltig wirksamen Reform in Deutschland: Peter Hartz. Jetzt hat der 75-jährige auf 200 Seiten neue Ideen zur Bekämpfung der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit vorgestellt und zugleich dem künftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron seine Hilfe beim Umbau des französischen Arbeitsmarktes angeboten.
Macron habe bereits die deutsche Agenda 2010 im Wahlkampf als ein mögliches Vorbild für eine Großreform genannt. Hartz habe den neuen französischen Präsidenten bereits mehrfach getroffen, auch schon, als dieser noch Wirtschaftsminister war und der seinem Amtsvorgänger François Hollande Ideen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorstellte.
Der frühere Personalvorstand bei Volkswagen (VW) erklärte, er wolle sich auch nicht damit abfinden, dass etwa eine Million Menschen in Deutschland Langzeitarbeitslose und 250.000 Jugendliche ohne Job sind. Vor fast 15 Jahren kreierte Hartz mittels einer Expertenkommission die von SPD und Grünen im Rahmen der Agenda 2010 begonnenen Arbeitsmarktreformen. Heute stellt er fest, die Lösung speziell dieser beiden Probleme damals zu kurz gekommen sei.
Sein jetzt mit einer von ihm einberufenen Arbeitsgruppe erstelltes Konzept sieht eine angeleitete Selbsthilfe für Langzeitarbeitslose vor, die von sogenannten A-Trainern betreut werden solle, die selbst einmal erwerbslos waren. Die Jugendarbeitslosigkeit will er mit einer »Talentdiagnostik und einem Beschäftigungsradar bekämpfen.
Darüber hinaus sieht sein Modell vor, dass junge Arbeitslose als »lokale Marktforscher« selbst durch innovative Dienstleistungen Jobs schaffen. Dabei sollen Unternehmen in ganz Europa die Ausbildung von Jugendlichen mithilfe von handelbaren »Zeitwertpapieren« finanzieren. Politische Unterstützer habe er in Deutschland für seine Vorstellungen bisher noch keine gefunden.
Das war 2002 noch anders, als er seine Vorschläge für eine arbeitsmarktpolitische Radikalkur dem Kabinett unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorlegte. Es gipfelte in vier Reformgesetze, von denen das letzte bis heute als Hartz-IV bekannt ist. Davon will der heutige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wieder punktuell abrücken und unter anderem länger Arbeitslosengeld zahlen.
Das nach wie vor SPD-Mitglied Hartz musste nach seiner letzten Reform im Zuge der VW-Bestechungsaffäre als Personalvorstand zurücktreten. Es ging um Spesenmissbrauch, bei VW dienstlich abgerechnete Prostituierte und Lustreisen. Er wurde wegen Untreue rechtskräftig zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteil. Daraufhin zog sich ins Saarland zurück und gründete eine gemeinnützige Stiftung, die SHS Foundation. jetzt meldete er sich erstmals wieder zurück in die Öffentlichkeit.
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