Präsidentschaftskandidat der Konservativen im freien Fall

Frankreichs Republikaner streiten über Putsch gegen Fillon

Seit der Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Frau fällt der Präsidentschaftskandidat der französischen Republikaner Francois Fillon massiv in den Umfragen. Jetzt wird darüber diskutiert, ob man ihn noch auswechseln kann.

Freie Welt

In Frankreich streiten führende Politiker der konservativen Republikaner darüber, ob sie mit einem Putsch gegen den angeschlagenen Kandidaten Francois Fillon doch noch ihre  Chancen auf das Präsidentenamt bei der Wahl am 23. April und 7. Mai 2017 retten können.

Auf einem Krisentreffen der Partei zu Wochenbeginn wurde darüber diskutiert, ob man einen »alternativen Weg zu Fillon« einschlagen könne, erklärte der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi. Er halte es für das einfachste, wenn der Zweitplatzierte bei der Vorwahl, Ex-Regierungschef Alain Juppé, die Kandidatur übernehme.

Estrosi, der auch einflussreicher Abgeordneter der Republikaner in der Nationalversammlung ist, kündigte eine Initiative an, die von ihm und weiteren Parteigrößen unterstützt werde. Dabei steht alles unter Zeitdruck: Bis zum 17. März müssen die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl feststehen.

Der in der Vorwahl gegen Fillon unterlegene Juppé hatte zunächst signalisiert, als Ersatzkandidat bereit zu stehen, sollte Fillon verzichten, ruderte dann aber heute wieder zurück. Dieser sagte auf einer Pressekonferenz heute: »Für mich ist es zu spät«.

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy schlug jetzt ein Treffen Fillons mit ihm und dem ehemaligen Premier Juppé vor, um »einen Weg für einen würdigen und glaubwürdigen Ausweg aus einer Situation zu finden, die nicht weitergehen kann«.

Sarkozy sagte weiter: »Angesichts der Schwere der Lage der bürgerlichen Rechten und des Zentrums hat jeder die Pflicht, alles zu tun, um die Einheit zu bewahren, die die Bedingung für einen Machtwechsel ist«.

Anders als Fillon soll Juppé in Umfragen weiterhin gute Chancen haben, in die Stichwahl um das höchste Staatsamt zu kommen und in der zweiten Runde gegen die Kandidatin der Front National, Marine Le Pen zu gewinnen.

Seit den Vorwürfe gegen Fillon werden neben Le Pen dem linksliberalen Kandidaten Emmanuel Macron die größten Chancen gegeben, die Stichwahl zu erreichen und dann zu gewinnen. Der anfangs vorne liegende Fillon verlor infolge der Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau als Mitarbeiterin massiv an Zustimmung und rutschte auf Platz 3.

Fillon hat unterdessen einen Auftritt im französischen Fernsehen angekündigt, wo er »zu den Franzosen sprechen« wolle. Darüber hinaus rief er seine Anhänger für Sonntag in Paris zu einer Großkundgebung auf und rechnet mit zehntausenden Teilnehmern. Einen Rückzug lehnte Fillon weiter ab.

Mehr dazu unter spiegel.de


Sven von Storch

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