Trotz weiter fehlender Beweise für Chemiewaffen-Einsatz Assads

Frankreich und USA halten Militärschlag in Syrien für möglich

Die syrische Hilfsorganisation Weißhelme musste ihre Zahlen der bei einem mutmaßlichen Giftgas-Angriff getöteten Menschen deutlich nach unten revidieren. Belege für eine Schuld Assads fehlen weiterhin, während Frankreich und die USA einen Vergeltungsschlag erwägen.

Nach einem mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriff in Ost-Ghouta erwägen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump einen militärischen Vergeltungsschlag gegen die syrischen Regierungstruppen von Baschar al-Assad. Beide drohten nach einem Telefonat mit einer »starken Reaktion«.

Konkrete Beweise blieben diese aber weiterhin schuldig. Die syrische Regierung versetzte ihr Militär in erhöhte Alarmbereitschaft. Hingegen erklärte man wie auch Russland, die Rebellen hätten den Angriff lediglich inszeniert, um einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen des Westens zu liefern.

Frankreich würde sich mit seinen Partnern derzeit austauschen, vor allem mit den USA und mit Großbritannien, heißt es aus Paris. »Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen«, sagte Macron am Dienstag. Es werde dann gezielt gegen die »chemischen Kapazitäten« gehen.

Unterdessen sagte US-Präsident Donald Trump seine geplante Reise nach Peru und Kolumbien mit einem Besuch des Amerika-Gipfels aufgrund der jüngsten Ereignisse in Syrien ab. Er bleibe in den Vereinigten Staaten, um sich um eine mögliche Reaktion der USA auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien zu kümmern.

Trump schloss militärische Schritte gegen die syrische Regierung nicht aus. Seine Regierung werde in den nächsten 24 bis 48 Stunden eine Entscheidung über die Reaktion der USA treffen. Er erklärte, dass dabei alle Optionen in Betracht gezogen würden.

Es sollen bei dem möglichen Angriff mindestens 42 Menschen getötet worden sein. 500 Personen seien zudem in Krankenhäusern behandelt worden. Damit wurde deutlich zurückgerudert, nach einer ursprünglichen Meldung der zivilen syrischen Hilfsorganisation Weißhelme, die erst von 150 Toten sprach.

Die vom Westen unterstützte Organisation steht in der Kritik, sich immer wieder in der Propaganda von Islamistengruppen vereinnahmen zu lassen. Frankreich und die USA schreiben der Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad die Verantwortung für den mutmaßlichen Anschlag zu, doch auch UNO-Mitarbeiter in Syrien konnten die Berichte über einen solchen Angriff bisher nicht bestätigen, lediglich dass Atembeschwerden registriert wurden.

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) möchte in Kürze Experten in die syrische Stadt Duma schicken, um den möglichen Angriff mit Chemiewaffen zu untersuchen. Unklar ist noch der Zeitpunkt der Abreise. Zeitgleich gab es eine Anfrage Syriens und Russlands mit der Bitte um Entsendung von Experten um Hintergründe aufzuklären.

Sven von Storch

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