Türkisches Militär nimmt nordsyrische Kurdenstadt Afrin ein

Erdogans Kämpfer ziehen plündernd durch Afrin

Im Rahmen von Erdogans Militäroffensive »Olivenzweig« haben türkische Truppen das Zentrum der nordsyrischen Kurdenstadt Afrin eingenommen und am Rathaus die türkische Fahne gehisst. Es wird nun von massiven Plünderungen berichtet.

Knapp zwei Monaten nach dem Beginn des Einmarschs türkischer Militäreinheiten vom 20. Januar in die kurdische Provinz in Nordsyrien hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein wichtiges Zwischenziel in seiner Offensive »Olivenzweig« gegen die dortigen Kurden erreicht. Der Widerstand in Afrin scheint gebrochen.

Die türkische Armee hat mit ihren Verbündeten in Syrien am Sonntag die überwiegend kurdische Stadt Afrin komplett besetzt. Das Stadtzentrum sei »vollständig« erobert, erklärte Erdogan. In sämtlichen Stadtteilen dominierten türkische Soldaten das Stadtbild. Auf dem Rathaus von Afrin wurde die türkische Fahne gehisst.

Es soll jedoch weiterhin Kämpfe mit nordsyrischen Kurden geben, die nicht zum Aufgeben bereit sind. Die kurdische YPG-Miliz erklärte, in Größenordnung Zivilisten aus der Stadt wegen laufender »Massaker« der türkischen Kräfte und ihrer Verbündeter in Sicherheit gebracht zu haben. Derzeitz ist die Region von einer neuen Fluchtwelle erschüttert.

Seit dem Einmarsch türkischer Truppen in Afrin wird nun von massiven Plünderungen kurdischer Wohnhäuser und Geschäfte berichtet. Reporter von AFP schilderten, dass begonnen wurde, »das Eigentum der Einwohner zu plündern, ebenso wie politische und militärische Gebäude, aber auch Geschäfte«.

Die im Dienste Erdogans stehenden Kämpfer hätten demnach wahllos Güter auf ihre Pick-Ups geladen , so etwa Kisten mit Lebensmitteln, Ziegen, Decken und sogar Motorräder, bevor sie die Stadt verließen. Mit Traktoren wurden auch Autos aus der Stadt hinausgeschleppt.

Die Stadt wird vermutlich auf längere Zeit unter türkische Kontrolle fallen. Aus anderen nordsyrischen Orten, welche die Türkei bereits bei ihrer Offensive besetzte, wird schon berichtet, dass in den Schulen schwarz verschleierte Frauen türkische Kultur und Sprache unterrichten, Ankara die lokale Verwaltung und Polizei kontrolliert.

Ankara betrachtet die in Nordsyrien tätigen kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Türkei als Terrororganisation. Hingegen nutzte die USA die YPG als wichtigsten und letztlich erfolgreichen Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS).

Die USA haben sich von Ankara vor die Wahl gestellt, sich zwischen kurdischen Freischärlern und dem Nato-Partner Türkei zu entscheiden, in Afrin nicht eingegriffen. Begründet wurde das damit, dass sich die amerikanisch-kurdische Koalition zur Bekämpfung des IS nie auf Afrin erstreckt habe. Das stimmt insoweit, dass es dem IS nie gelang, nach Afrin vozudringen.

Anfänglich sah es gut aus, dass die Kurden Erdogans Operation »Olivenzweig« erfolgreich Paroli bieten könnten, doch seit Anfang März musste die YPG-Miliz immer mehr Dörfer und Städte nahezu kampflos aufgeben, da sie türkischen Luftangriffen nichts entgegensetzen konnte. Im Kampf gegen den IS hatten dioe YPG Luftwaffenunterstützung durch die USA.

Dabei liegt es aber nicht an der militärischen Überlegenheit der Türken, dass die Kurdenmiliz keinen vollen Widerstand leistet. Die YPG weiß, wie man einen Guerillakampf führen und noch lange weiterkämpfen könnte, aber man sieht die Rücksicht auf die Zivilbevölkerung im Vordergrund. Die Stadt soll nicht sinnlos zerstört werden, was eine Vertreibung dann wohnungslos gewordener Kurden begünstigen könnte.

Sven von Storch

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