Der türkische Journalist Ertugrul Adil Yigit sorgte im September für Schlagzeilen, als er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Angela Merkel und Recep Tyyip Erdogan im Berliner Kanzleramt ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei« trug und deswegen von Sicherheitskräften abgeführt wurde.
Jetzt soll der seit 36 Jahre in Hamburg lebende Journalist, der mit einer mittlerweile von ihm getrennt lebenden Deutschen Kinder hat, bis spätestens Ende Januar Deutschland verlassen und muss in der Türkei um seine Sicherheit fürchten. Dort sind in dreistelliger Zahl regierungskritische Journalisten inhaftiert. »In der Türkei werden Journalisten zum Schweigen gebracht«, warnt auch er.
Der 60-jährige Yigit soll am Freitag den Bescheid bekommen. Er führt die Entscheidung auf seinen Protest während der Pressekonferenz mit dem türkischen Staatspräsidenten zurück. »Das hängt zusammen, anders kann es gar nicht sein«, sagte Yigit. Am Montag habe er einen Anwaltstermin, »denn gegen diese Entscheidung werde ich Schritte einleiten«.
Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert verteidigte damals das Vorgehen der Ordner während der Pressekonferenz mit den Worten: »Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen. Das gilt völlig unabhängig davon, ob es sich um ein berechtigtes Anliegen handelt oder nicht.«
Yigit erklärte, Erdogan habe nach seinem Auftritt im Kanzleramt noch mehrmals öffentlich über ihn gesprochen. In einer Rede Erdogans vor Abgeordneten der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara am 2. Oktober, nur wenige Tage nach dem Deutschlandbesuch, wird auch tatsächlich über ihn hergezogen.
Erdogan sagte dort: »Mitglieder von Fetö [Gülen-Bewegung] und PKK haben alles getan, um diesen Besuch zu sabotieren. Da gab es einen Flegel, einen Lump, der die Pressekonferenz der Kanzlerin und mir stören wollte. Die deutsche Polizei hat ihn gepackt und rausgeschmissen. Es liegt sowieso auf der Hand, wessen Gehilfe er ist, das muss man nicht noch sagen.«
Einen Monat nach Protestaktion gegen Erdogan-Besuch in Berlin
Erdogan-kritischer Journalist soll in die Türkei abgeschoben werden
Während gewaltbereite Islamisten hier bleiben dürfen, soll der seit 36 Jahren in Deutschland lebende Journalist Ertugrul Yigit abgeschoben werden. Er trug bei einer Pressekonferenz mit Merkel und Ergogan ein T-Shirt, wo er für Pressefreiheit in der Türkei eintrat.
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