Laut einer Recherche des ARD-Magazins »report München« wurde für die Rückführung von zwei Kenianern ein Privatflugzeug für 137.000 Euro gechartert. Einer der beiden Männer lebte seit 20 Jahren in Deutschland und galt als Intensivtäter, der unmittelbar nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen versuchten Totschlags ausgeflogen wurde.
Der letzten Straftat des 48-jährigen, bei dem das Opfer 80 Prozent seines Augenlichtes verlor, gingen mehrere Verurteilungen wegen Beleidigung, Diebstahls, Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte voraus. Sein Asylantrag war in Bayern rechtskräftig abgelehnt worden, so dass die Abschiebung umgesetzt werden konnte.
Möglich wurde diese nach langen Verhandlungen, indem die Behörden seines Heimatlandes nun doch für den Betroffenen »Passersatzpapiere« ausstellte. Diese waren aber nur drei Tage gültig, was eine übliche Praxis ist, wenn Heimatländer Personen eigentlich nicht zurücknehmen wollen, sagte ein Experte gegenüber report München.
Aufgrund dieser drei Tage kam nach Angaben der Bundespolizei ein von Beamten begleiteter Flug an Bord einer Linienmaschine nicht in Frage, da das Risiko zu gewesen sei, dass der Flug scheitert, wenn der Betroffene etwa Widerstand leistet. In diesem Fall wäre die Maßnahme in dem sehr kurzen Zeitfenster gescheitert.
Der Kenianer wurde von bayerischen Polizisten mit dem Auto zum Flughafen Berlin-Schönefeld gefahren und dort an Bord eines Privatjets »Bombardier Global Express« gebracht - mit an Bord ein jüngerer Landsmann, den die Behörden in Baden-Württemberg als ebenso abgelehnten Asylbewerber abschieben wollten.
Begleitet wurde der Flug neben den Betroffenen und der Crew von neun Bundespolizisten, ein Arzt und ein Sanitäter sowie ein Beauftragter der Grenzschutzagentur Frontex, der als neutraler Beobachter den ordnungsgemäßen Ablauf der Abschiebung zu dokumentieren hatte. Die Übergabe der beiden Männer in Nairobi erfolgte problemlos.
Teurer Heimflug für zwei abgelehnte afrikanische Asylbewerber
Zwei Kenianer abgeschoben mit Privatjet für 137.000 Euro
Die Bundespolizei charterte im September einen Privatjet für 137.000 Euro, um zwei abgelehnte Asylbewerber aus Kenia in das Heimatland zurückzufliegen. Ein Linienflug sei nicht möglich gewesen, da die »Passersatzpapiere« nur drei Tage gültig waren.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.


Add new comment