Ein Fan-Banner bei einem Hansa Rostock-Spiel entfacht bizarre Debatte

Wenn für Verein und Vaterland schon die Tugendwächter mobilisiert

Im linken Milieu will man bei einem Pokalspiel des FC Hansa Rostock einen neuen äußersten rechten Vorfall ausgemacht haben und kritisiert den Verein, weil er nicht einschritt. Es geht dabei um einen Fan-Banner mit der einfachen Aufschrift »Ausser Rand und Band, für Verein und Vaterland«.

Wenn bei Fußballklubs wie etwa dem Zweitligisten FC St. Pauli offen linksradikale Symbole gezeigt werden, wird das kaum thematisiert, anders verhält es sich, wenn Fans sich noch erlauben, in heutiger Zeit einen leisesten Patriotismus zu zeigen. Da treten Tugendwächter auf den Plan. Das wurde wieder einmal beim DFB-Pokal deutlich, wo am Sonntag Drittligist FC Hansa Rostock den Zweitligisten VfB Stuttgart empfing und am Ende 0:1 verlor.

In den sozialen Medien ereiferten sich allerlei Menschen aus dem linken Milieu an der Choreo der Hansa-Fans. Im Vorfeld des Spiels wurden nicht nur rund 20.000 weiße T-Shirts verkauft, um einheitlich auszusehen, sondern vor der Südtribüne ein riesiges Transparent aufgehangen, das die ganze erste Halbzeit dort verblieb. Mit diesem wollte man den 20. Geburtstag der Ultra-Gruppe »Wolgastä« feiern. Daran wurde eine Debatte entfacht.

»Ausser Rand und Band, für Verein und Vaterland« stand dort nämlich in großen Lettern - und das auch noch in Frakturschrift. Links das Logo des FC Hansa und rechts Schwarz-Rot-Gold mit dem Bundeswappen. Da haben es also welche gewagt, das Wort »Vaterland« in den Mund zu nehmen, das vor nicht allzu langer Zeit noch zum ganz normalen Wortschatz gehörte, aber tatsächlich in der Regierungszeit Merkels nahezu verschwunden erscheint.

Auf Twitter empörte sich zeitnah nach Spielbeginn gleich ein »GruenerOimel« über Botschaft und Schreibweise des Transparents. Dieser schrieb: »"für Verein und Vaterland" in Fraktur. Dazu die Böhsen Onkelz als Einlaufmusik. Und @HansaRostock freut sich über die Stimmung. Ich bin entsetzt. Keine Reaktion im Publikum. Spiel ist für mich gelaufen #FCHVFB.«

So wird dann auch hinter der Frakturschrift böses vermutet. Für einige auf Twitter die Schrift ein klarer Beleg für rechtes Gedankengut. Dabei ist die aus dem 16. Jahrhundert stammende deutsche Frakturschrift von den Nationalsozialisten in einem Erlass von Januar 1941 zur »Judenschrift« abqualifiziert und verboten worden, die international gebräuchliche schnörkellose Antiqua wurde erst dadurch hier verbindliche Normalschrift.

Das über die Stadionlautsprecher laufende Lied »Auf gute Freunde« der Rockband Böhse Onkelz, die ihre Anfänge sicher im Rechtsrock hatte, wird ebenso angeprangert, obwohl diese sich zu Beginn der 90er Jahre deutlich von ihrer Vergangenheit distanzierte, auch mit entsprechenden Liedern, und diese vielfach die Top 10 der bundesdeutschen Verkaufscharts erreichten - dazu zählt  »Auf gute Freunde«.

Eine unter »SylRie04« firmierende Sylvia beklagt: »Was ist denn bei euch los @HansaRostock?  Alles schön deutsch national? @dfb wie kann da sein? Aber der deutsche Fussball hat ja kein Problem mit Nazis oder?« Etliche betätigen sich in den sozialen Medien mit verächtlichen Kommentaren wie »Widerlich diese Rostocker« und »Nationalistische Kackscheiße«, bemängeln dass der Verein nicht eingreife gegen das Transparent.

Andere zeigten wiederum Unverständnis für die ganze Debatte um die Choreographie. »Verstehe die Aufregung nicht: Song, Band & Slogan absolut legal Wer sein Land nicht mag, soll sich staatenlos melden und anderen nicht die Stimmung verderben!«  Oder: »Wo ist da was rechts???«


Sven von Storch

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