Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands wirft dem am Sonntag zuende gegangenen Kirchentag in Berlin und Wittenberg Beliebigkeit vor. »Die Bindung an Schrift und Bekenntnis wurde relativiert. Das Credo war Pluralismus ohne Grenzen«, erklärte der Vorsitzende, der Hamburger Pastor Ulrich Rüß .
Eine Leitlinie des Programms im Geist der Reformation Luthers sei nicht auszumachen gewesen. Der Aufruf, den christlichen Glauben zu bezeugen, sei zu kurz gekommen. Im Vordergrund habe der Appell gestanden, sich politisch einzumischen. Dabei gingen der Kirche jährlich »Zigtausende von der Fahne«. Rüß beklagte: »Gemeint und gewünscht ist politische Einmischung, aber nur nach der politischen Farbenlehre der EKD, und die ist bekanntermaßen rot-grün.«
Auch im Abschluss-Gottesdienst zeigte sich der rot-grüne Geist, als man im Genderwahn nicht einmal vor Matthias Claudius’ »Der Mond ist aufgegangen« im verteilten Kirchentags-Liederbuch halt machte. So wurde »so legt euch denn, ihr Brüder« in ein nichtssagendes »so legt euch Schwestern, Brüder« umgemünzt und selbst »und unsern kranken Nachbarn auch« musste durch das politisch korrekter erscheinende »und alle kranken Menschen auch« weichen. Nachbarn waren gestern, jetzt gibt es nur noch pauschal Menschen.
Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ekkehart Vetter, nannte es prinzipiell eine gute Entscheidung, den Kirchentag in Berlin abzuhalten, einer Stadt, in der sich etwa zwei Drittel der Einwohner als religionslos bezeichneten: »Wo anders gäbe es einen geeigneteren Platz für das Evangelium?« Zugleich beklagte Vetter, dass die sich verschärfende Existenzfrage der evangelische Kirche, die sinkenden Mitgliederzahlen, die Programmmacher des Kirchentages nicht besonders umzutreiben scheine.
»Wie Kirche wieder missionarisch werden kann, wie sie Menschen zum Glauben rufen kann, wie sie den auferstandenen Jesus Christus ins Zentrum rücken kann, auch diese Nische konnte man auf dem Kirchentag finden – eine dringende Leitfrage der Großveranstaltung war dies beileibe nicht.« Vetter kritisierte auch, dass einzelnen christlichen Gruppen wieder kein Stand gewährt wurde, wie unter anderem dem Missionswerk »Beit Sar Shalom«, bei der es sich um christlich-messianische Juden handelt, die das Urchristentum pflegen.
Ebenso übte der hessische FDP-Landesvorsitzende Stefan Ruppert Kritik. Er habe schon lange mit dem Kirchentag »gefremdelt«. So habe die Vielfalt der Glaubensformen mit einer linken politischen Einseitigkeit kontrastiert. Dieses hätte der jetzige Kirchentag nicht völlig abgelegt, und doch sei etwas für ihn anders gewesen: »Heute sind wir als bekennende Christen in der Minderheit, und da tut es gut, andere Christen zu treffen, ins Gespräch über den Glauben zu kommen.«
Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen warf den Kirchen vor, Gesprächsangebote mit seiner Partei immer wieder kategorisch abzulehnen. Anette Schultner von der Vereinigung »Christen in der AfD«, die beim Kirchentag bei zumindest einer Veranstaltung in der Sophienkirche zum Thema »Kann man als Christ in der AfD sein?« auf dem Podium sitzen durfte, beklagte, dass die Amtskirchen beide »linkspolitisch orientiert« seien.
Mit Blick auf die Diskussion, die sie dort mit dem Berliner Bischof Markus Dröge führte, sagte Schultner, sie sei dafür »dankbar« und man könne darauf aufbauen. Den Organisatoren warf sie zugleich vor, dass dies kein »echter Dialog« gewesen. Die Regie sei darauf ausgerichtet gewesen, dass »die Kirche gewinne«. Immer wieder gab es in der Sophienkirche Zwischenrufe und Störungen.
Kritische Töne zum Evangelischen Kirchentag 2017
Viel rot-grüne Politik, aber wenig Aufbruch für den Glauben
Der Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg zog zwar über 100.000 Teilnehmer an, ließ aber auch zu einem großen Anlass wie dem 500. Jubiläum der Reformation jede echte Aufbruchstimmung für den Glauben missen. Wieder dominierte in vielen Bereich allzu sehr ein rot-grüner Geist.
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