Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fängt mehr als jeder fünfte Teilnehmer eines Integrationskurses ohne Lese- und Schreibkenntnisse an. Diese Kurse sollen Migranten seit ihrer Einführung 2005 dazu dienen, neben der Vermittlung der deutschen Sprache das hiesige Rechts- und Wertesystem kennenzulernen.
Die Erfolgsquoten der Teilnehmer bleiben weiter gering. In allen Kursarten erreichte insgesamt nur knapp mehr als die Hälfte der Teilnehmer das erforderliche Sprachniveau B1, welches als Voraussetzung für den Arbeitsmarkt gilt und erklärtes Ziel der Integrationskurse ist. Ausgenommen von diesem Ziel sind sogenannte Alphabetisierungskurse, die das niedrigere Niveau A2 anstreben.
Das BAMF-Forschungszentrum ist gerade dabei mit einer Evaluation die Wirksamkeit der Kurse bis 2022 überprüfen. Eine erste Zwischenbilanz zu der 2018 gestarteten Überprüfung wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. Die redete man sich dann auch schön, in dem man eine Befragung unter den Migranten voran stellte, in der eine Mehrheit die Kurse positiv bewertete.
Unter den Teilnehmern gaben 61 Prozent an, nach dem Kurs gute oder sehr gute Deutschkenntnisse zu haben, während bei den Befragten ohne Unterricht dieser Wert bei 17 Prozent lag. An den Kursen nehmen vor allem Flüchtlinge teil, so insbesondere Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive, Geduldete und Zuwanderer aus europäischen Ländern.
Fachleute des Innenministeriums und das BAMF gestanden jedoch bei der Vorstellung am Dienstag schließlich erheblichen Nachbesserungsbedarf ein. So hätten Lehrkräfte bei den Zuwanderern immer wieder Schwierigkeiten mit »vielschichtigen Herausforderungen«. Darunter zählten ein niedriges Bildungsniveau, psychische Belastungen durch Traumata und eine zu geringe Teilnahmequote von Frauen.
Insbesondere Frauen bringen ein deutlich niedrigeres schulisches und berufliches Bildungsniveau mit. Diese nähmen auch seltener an Kursen teil, weil sie oft Kleinkinder betreuen müssen. Dem wolle man mit einer Kinderbetreuung begegnen, damit diese nicht aufgrund fehlender Sprachkenntnisse vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind und wenig Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft haben.
Kritik an der gerade stattfindenden Evaluation kam von der Grünen-Abgeordnete Filiz Polat. Sie bemängelt die hohen Kosten für das BAMF-Forschungszentrum. Die Ergebnisse der Untersuchung seien nicht überraschend, allerdings die Kosten von 2,4 Millionen Euro dafür »astronomisch«.
Jeder Fünfte kommt ohne Lese- und Schreibkenntnisse nach Deutschland
Sinkendes Bildungsniveau bei Integrationskursen für Zuwanderer
Die Integrationskurse für Zuwanderer haben zunehmend damit zu kämpfen, dass Teilnehmer ohne Lese- und Schreibkenntnisse anfangen, darunter vor allem Frauen. Nur die Hälfte aller Absolventen erreicht das für den Arbeitsmarkt erforderliche Sprachniveau.
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